Heute war der Höhepunkt des Trainingsplans für den Ruhr-Marathon in Essen mit dem langen 35km-Lauf. Ich habe mir dafür eine besondere Strecke ausgedacht. Wenn man in einer Gegend wohnt, in der andere Leute zum Urlaub machen hin fahren, sollte man das auch ausnutzen. Der Wetterbericht für heute sagte ein wunderbares Frühherbstwetter voraus und der Plan war von Rüdesheim nach Hause nach Wiesbaden zu laufen. Nach Rüdesheim kommt man sehr einfach mit dem Zug.

Adlerturm Rüdesheim

Ich startete also kurz nach 9 Uhr am Bahnhof von Rüdesheim zu meinem 35er. Nach 500m Laufstrecke komme ich dann schon an der Touristen-Attraktion vorbei, für die Horden von Japanern um die halbe Welt jetten, die Drosselgasse.  Dafür habe ich jetzt kein Auge und außerdem gibt es im Rheingau viele interessantere Plätze als die Drosselgasse. Doch davon später mehr.

Mein Elan wird kurze Zeit später durch das Verkehrsmittel gebremst, dass mich bis hierher gebracht hat. Wegen eines Güterzuges ist die Schranke am Adlerturm geschlossen. Güterzüge sind allerdings seit Jahren auf Grund der Lärmbelästigung ein Ärgerniss für die Bewohner des Rheingaus und des Mittelrheintals.

Das war dann aber auch für längere Zeit die einzige Unterbrechung meines Laufelans. Nach ca. 2 km komme ich am Yachthafen von Rüdesheim an den Ruinen der Hindenburgbrücke vorbei. Die Hindenburgbrücke war eine Eisenbahnbücke über den Rhein, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde und nicht mehr aufgebaut wurde. Sie wäre die einzige Brücke über den Rhein zwischen Wiesbaden und Koblenz.

Oestricher Kran im Nebel

Das klare, kühle Wetter fühlte sich heute sehr gut an und meine Pace war mit ca. 5:50 min/km so wie ich es mir auch für den Marathon in 14 Tagen vorstelle. Hinter Geisenheim komme ich dann am Schloss Johnannisberg, dass  ich links am Berg kleben sehen, vorbei. Weiter geht mein Schritt Richtung Oestrich-Winkel, dessen Wahrzeichen, der Kran aus dem Mittelalter, noch immer im Nebel steht. Die kühle Luft und das warme Wasser des Rheins erzeugen eine unheimliche Lichstimmung.

Weinstand Hattenheim

Nach insgesamt 11 Kilometern komme ich an meinem absoluten Lieblingsplatz am Rhein vorbei, dem Weinstand in Hatttenheim. Hier kann man bei einem guten Tropfen an einem sonnigen Tag die Seele baumeln lassen in dem man den Schiffen auf dem Rhein zuschaut. Heute hatte ich allerdings für solche Mußestunden keine Zeit.

Rheinufer Eltville

Die Hälfte der Strecke habe ich in Eltville absolviert. Charakteristisch  ragt der Turm von Burg Grass in die Höhe. Von hier sind es noch 10 km bis zum Biebricher Schloss. Über Walluf und dem Schiesteiner Hafen komme ich nach ca.2 3/4 Stunden dort an. Über die letzten Kilometer konnte ich allerdings meine anfängliche Pace nicht mehr halten. Die Durchschnittspace bewegte sich mit 6:15 min/km im Bereich meiner Vorstellungen.

Ab dem Biebricher Schloss verlasse ich das Rheinufer und es beginnt der unangenehme Teil der Strecke. Bis hierher gab es einem moderaten Anstiegt von ca. 20 m überwinden, auf den letzten 7 km allerdings nochmal ca. 150 m, davon allein 50 m auf den letzten 2 km. Ich lief auf dem Grundweg Richtung Grundmühlweg und dann zum Mosbacher Berg. Hier musste ich dann allerdings eine kleine Gehpause einlegen, da die Steigung doch steiler war, als ich es in Erinnerung hatte.

Schlosspark Biebrich

Die letzten 5 km verliefen Quer durch die Wiesbadener Innenstadt, vorbei am Kurhaus und durch den Kurpark. Wobei ich sagen muss, dass der Weg durch das Aukammtal gegen Ende schon sehr hart war und von einigen Gehpausen geprägt war. Nach 3:45 h war ich von meinem Trainingslauf wieder zu Hause und freue mich auf die kommende Herausforderung beim Ruhr Marathon in Essen. Zur Entspannung habe ich nachher den TV-Bericht vom Berlin Marathon gesehen und so ein Bisschen ist bei mir der Wunsch aufgekommen im nächsten Jahr selbst dabei zu sein. Mal sehen was sich ergibt.

Um 4.00 Uhr aufstehen ist schon ziemlich hart, aber was danach kommt ist noch viel härter. Ich hatte mich für den Nürburgringlauf angemeldet und das heißt zunächst früh aufstehen. Als ich am Ring ankam waren es 11° und der Nebel trieb sich um die Boxenanlagen der Rennstrecke. Ich hatte noch reichlich Zeit für die üblichen Startvorbereitungen. In dem Getümmel der Läufer habe ich auch noch Gerd und Tobias aus Essen getroffen. Später in der Staraufstellung habe ich noch ein paar Worte mit @laufmeister (hier sein Blog-Bericht) gewechselt. Da die letzten Trainings nicht so besonders gut liefen, habe ich mir etwas Sorgen gemacht. Eine Zeitvorstellung hatte ich nicht wirklich, da ich das Höhenprofil der Strecke kannte. Im Mai in Berlin liefen die 25 km mit 2:13 sehr gut, aber dort ist die Strecke so gut wie flach.

Nach dem Start wird zunächst auf der Grand-Prix-Strecke gelaufen. Vor Ort hat man erst den richtigen Eindruck, wie steil es an vielen Stellen, die man aus den Rennübertragungen im Fernsehen kennt, ist. Zu beiden Seiten der GP-Strecke campten die Rad- und MTB-Teams für das nachmittags stattfindende Event “Rad am Ring”.

Gerd und ich in der Ringarena

Ich hatte mir vorgenommen es langsam angehen zu lassen und war mit der anfänglichen Pace von 5:50 ganz zufrieden. Nach 3 km biegt man dann auf die Nordschleife ein und die grüne Hölle beginnt. Es ging erst einmal steil den Berg hinab, bevor es auf ein ständiges Auf und Ab durch die Eifel geht. Bei Kilometer 4 hatte ich dann einigermaßen einen Rhythmus gefunden und das Läufen machte so richtig Spaß.

Vor dem Start

Langsam spürte ich allerdings, dass ich vor dem Start einmal zu wenig auf der Toilette war und ich gezwungen war einen keinen “Boxenstopp” in den Büschen einzulegen. Kurz nach dem Boxenstopp bei Kilometer 8 beginnt dann der Streckenteil, der mir den wahnsinnigen Muskelkater eingebrockt hat. Es geht von dort bis Breitscheid auf einer Strecke von 3 Kilometer ca. 300 Höhenmeter bergab. Danach folgt allerdings der anstrengende Teil der Strecke.

Karussel

Hinter Breitscheid ist zunächst ein Anstieg, der für normal trainierte Freizeitläufer eine Höchstschwierigkeit ist. Ungefähr bei der Hälfte hatte ich einen Puls von 162, was für mich der rote Bereich ist und ich für den Rest eine Gehpause einlegen musste, um wieder runter zu kommen.
Die anschlie

ßen den Steigungen bis zur Hohen Acht, die das gleiche Niveau wie der Start hat, sind ebenfalls von einigen Gehpausen begleitet.

Die Hohe Acht liegt bei Steckenkilometer 16, so dass hier noch 8 Kilometer bis zum Ziel sind. Es setz sich hier die Berg- und Talfahrt, die ich schon von den ersten Kilometern kannte fort. Allerdings war ich bei jeder neuen Steigung angestrengter. Wenn man dann kurz nach Kilometer 20 auf die Döttinger Höhe kommt, glaubt man am Ende der etwa 2 Kilometer langen Gerade schon fast das Ziel zu sehen. Leider ist das ein Trugschluss. Auf dem letzten Kilometer, der sich in einer S-Kurve den Berg hoch schlängelt sind noch einmal ca. 50 Höhenmeter zu bewältigen, bevor man auf die Zielgerade kommt. Vor hier noch ca. 700 m und die Quälerei ist geschafft. Mit 2:38:14 war ich endlich im Ziel. Die Zeit spielte am Ende keine Rolle mehr und so fertig, war ich keinem Lauf, selbst nach dem Hitzemarathon in Duisburg nicht.

Döttinger Höhe

Vorteilhaft war, das es in der Ringarena ordentlich warme Duschen gab. Leider war die Umkleide etwas klein, so dass sich die meisten auf dem Gang umgezogen haben. Das Bezahlsystem an den Kiosken mit der Ringcard ist allerdings nicht so ganz schlüssig, dass man eine Plastikkarte bei einem Mitarbeiter vor dem Kiosk aufladen muss, dann mit dem Plasikgeld zu bezahlen und an einer anderen Kasse das zuviel aufgeladene Geld wieder ausgezahlt zu bekommen, ist jetzt aus Kundensicht nicht gerade Effektiv zu nennen. Aber hier fängt dann eine Grundsatzdiskussion an, die ich hier nicht führen möchte.Ich habe mir noch eine dicke Portion Currywurst mit Pommes gegönnt, bevor ich den Nachmittag in Bonn habe ausklingen lassen. Davon könnt ihr bald in meinem anderen Blog lesen.