Ich komme nun endlich dazu meine Erlebnisse des letzten Wochenendes blogmäßig zu verarbeiten. Zusammen mit 20 weiteren Läufern habe ich am 20. Staffelmarathon auf dem Tempelhofer Feld teilgenommen. Die Running Twins Henrik und Marek habe die vier Staffeln organisiert. Die Teilnahme sollte unter dem Motto “Laufen und Helfen” stehen, sodass man mit dem Team World Vision einen Adressaten für Hilfe mit an Bord genommen hat.

Alles fing am Samstag Abend in einer Tempelhofer Pizzaria an, wo ich die meisten Staffelmitstreiter, die ich zuvor nur über das Internet kannte, persönlich kennen lernen konnte. Lars von World Vision hat die Gelegenheit genutzt den Teilnehmern die Ziele und die Arbeit der Hilfsorganisation näher zu bringen. Leider sind die Teamshirts, die Lars organisiert hat, nicht rechtzeitig geliefert worden. Nur Henrik, Nadin, Lars und ich hatten am Renntag ein Teamshirt.

Die Strecke des Staffelmarathons war eine 5 km-Runde auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, die von den jeweils 5 Teilnehmern pro Staffel 8 mal zu durchlaufen war. Um auf die 42,195 km zu kommen wird der erste Staffelabschnitt über die 2. Startbahn verlängert, so dass die ersten beiden Runden 12,2 km lang sind.

Der Staffelwechsel findet in Hangar 6 des Tempelhofer Flughafengebäudes statt, Die letzten 500 Meter vor dem Hangar bildet eine Gasse auf Teamzelten, Das Zelt der Running Twins war dicht am Eingang des Hangars, sodass der Weg zur Staffelübergabe recht kurz war. Für Verpflegung hatten meine Staffelmitsttreiter und ich reichlich gesorgt.

Um 10.30 Uhr wurde die ca. 1700 Marathon- und Halbmarathonstaffeln auf die Strecke geschickt. Ich war an zweiter Stelle in der blauen Staffel dran. Ich habe gehofft mit einem 5:30er Schnitt der 10 km Abschnitt in 55 Minuten absolvieren zu können. Leider lief es nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt  habe. In den letzten Wochen nach dem Marathon hatte ich auf Schnelligkeit im Training verzichtet und mehr auf Regeneration gesetzt. Während der ersten Runde hatte ich leichte Probleme mit den Schienbeinen, die sich allerdings ein der zweiten Rund erledigt haben.

Mit einer 56:00 kann ich angesichts der langen Laufsaison ganz zufrieden sein. Die anderen Teilnehmer der blauen Staffel (Andreas , Heiko, Andre und Miloz) haben erheblich bessere Zeiten hingelegt haben. Am Ende stand für die blaue Staffel eine 3:14:01 auf der Uhr. Neben dem sportlichen Ergebnis blieb das unvergessliche Gemeinschaftserlebnis neben der Strecke und den unvergleichlichen Sportsgeist der anderen Teilnehmer gespürt zu haben.

An dieser Stelle noch einmal meinen Dank an die Running Twins für die Organisation und wenn es sich einrichten lässt, wäre ich im nächsten Jahr gerne wieder dabei.

Bis vor einem halben Jahr hätte ich noch nicht einmal gewusst, das es sowas gibt, geschweige, dass ich daran teilnehme. Ich arbeite jetzt schon im fünften Jahr für den IT-Dienstleister des Landes Hessen und bin auch fast genauso lange Mitglied der Betriebssportgemeinschaft, aber es gehört wohl zu den Besonderheiten im IT-Geschäft, dass die Zusammenarbeit mit den Fachdienststellen eher zäh ist. Es gab die letzten Jahre nie einen Aufruf an einer solche Veranstaltung Teil zu nehmen, obwohl es dieses Jahr bereits zum 26. Mal ausgetragen wird.

Und es ist eine gar nicht so spießige Veranstaltung, wie man beim Namen denke möchte. Es herrscht eine Stimmung zwischen Betriebsausflug und Bundesjugendspiele, wobei der Fokus eher auf Mannschaftssportarten und Freizeitsport gelegt wird. Ein großer Teil der Meisterschaft bildet ein Fußballturnier. Weitere Aktivitäten sind Wandern, Schach, Tennis und Tischtennis, neben einer kleinen, aber feinen Laufveranstaltung.

Ca. Einhundert Läufer aus den verschiedenen Altersklassen waren am Start des 5500m Laufes. Die Strecke führte vom Schwalmstadtion in Treysa über asphaltierte Feldweg in einer kurzen Ründe zurück ins Stadion. Die Strecke war flach und gut zu laufen. Das Wetter war zunächst etwas diesig, doch im Tagesverlauf löste sich der Dunst auf und die Sonne kam recht kräftig zum Vorschein.

Um 10.15 nahm Frau Staatssekretärin Hölscher den Startschuss vor und schickte damit das Läuferfeld auf die Strecke. Für mich ist diese Strecke eher Neuland, da ich ich der Vergangenheit eher die längeren Strecken bevorzugt habe. Die Kollegen und Kolleginnen starteten in den unterschiedlichsten Altersklassen. Die meisten von ihren konnten aber ein flotteres Tempo als ich anschlagen. Allen voran Kollegin Christina, die in den vergangenen Jahren bereits mehrere Meistertitel des HLV über 5000m und 3000m erringen konnte. Das letzte mal, dass ich sie auf der Strecke gesehen habe, war bei Kilometer 2, als sie bereits Gesamtsiebte war. Später hatte Sie einen Vorsprung von ca. 6 Minuten auf meine Zielzeit und ist insgesamt dritte von allen Starten geworden. Erwähnenswert ist auch das Ergebnis von Daniel, der in der Altersklasse M30 Zweiter und mit 21:40 gesamt 11. geworden ist.

Lauftreff der HZD vor dem 5500m-Lauf

Die Betriebssportgemeinschaft der Finanzämter des Schwalm-Eder-Kreises hat mit dem Schwalmstadtion in Treysa eine super Location ausgewählt und für die Organisation der Wettkämpfe und der Verpflegung mit Bier, Softdrinks sowie Bratwurst, Spießbraten und vegetarischer Nudelpfanne ein extra Lob verdient.

Ein weiteres Lob geht von meiner Seite an die Kollegen, die sich an den Fahrgemeinschaften beteiligt haben oder an der Organisation mitgewirkt haben. In der Zukunft ist es, so war der einhellige Wunsch der Beteiliget, zu hoffen, das z.B. durch einheitliche Trikots eine bessere Erkennbarkeit der Mannschaft gegeben sein sollte und dass es den Kollegen, die nicht aktiv an den Wettkämpfen beteiligt sind, die Möglichkeit zum Anfeueren teilzunehmen gegeben wird. Dies ist anderen Finanzämtern durchaus üblich.

Der Hessentag findet seit 52 Jahren in unterschiedlichen hessischen Städten statt und soll das Gemeinschaftsgefühl der unterschiedlichen hessischen und zugewanderten Bewohner fördern. Ganz nach dem Motto des früheren hessischen Ministerpräsidententen Georg August Zinn “Hesse ist, wer Hesse sein will”. Anlässlich des letzten Hessentages in Oberursel fand erstmalig ein Hessentagslauf statt. Die Macher des diesjährigen Hessentags in Wetzlar wollten das erfolgreiche Experiment ihrer Vorgänger fortführen und für die Laufsporrtfreunde in Mittelhessen ebenfalls ein attraktives und anspruchsvolles Angebot machen. Bei der Planung diese einmaligen Laufereignisses mussten auch besonders die verkehrsmäßigen Einschränkungen der mehr als einwöchigem Großveranstaltung berücksichtigt werden.

Herausgekommen ist meiner Meinung nach eine sehr gelungene Laufveranstaltung, die dem Rahmen des Hessentages angemessen ist. Die Organisatoren des Team Naunheim haben eine anspruchsvolle und landschaftlich attraktive Strecke für den Hessentagslauf 2012 zusammengestellt. Es wurden zwei Wettbewerbe, ein Halbmarathon und 10 km-Lauf, angeboten. Beide Strecken starteten im Wetzlarer Stadion auf der Lahninsel und führten hinter dem Neuen Rathaus Richtung Steindorf. Nach ca. einem Kilometer biegt die Strecke nach links ab und es beginnt eine 3 Kilometer lange Steigung, die ca 140 Höhenmeter beträgt. Bei Kilometer 3 befindet sich das Ausflugslokal Magdalenenhausen. Hier haben die Organisatoren den ersten Erfrischungspunkt platziert. Dies ist auch besonders notwendig, da der nachfolgende Kilometer der steilste der gesamten Strecke ist.

Bei Kilometer 4 hat man bereits den Gipfel des Kurses erreicht. Außer zwei kleinen Anstiegen bei Kilometer 5,5 und kurz vor dem zweitem Erfrischungspunkt am Hofgut Magdalenenhausen geht es von nun an bergab. Die Halnmarathonis hattten von hierab noch eine weitere Schleife zu absolvieren. Die Strecke bis zum Hofgut bestand aus einer breiten asphaltierten Strasse, anschließend folgte ein Stück Betonweg, der ein Überbleibsel aus der ehemaligen Nutzung des Geländes als Truppenübungsplatz ist. Die restlichen Wege waren gut laufbare Feldwege. Ich startete am Frohenleichnamsdonnerstag auf der 10 km-Strecke.

Ich bei Kilometer 7.
Quelle: hessentagslauf-bilder.de, ISA GmbH, Biebertal


Durch die Streckeninformationen, die die Veranstalter auf ihrer Homepage veröffentlicht hatten, war mir bewußt, dass es heute nicht um irgendeine Bestzeit gehen kann, sondern einfach nur um dabei zu sein und Spaß zu haben. Ich hatte am Sonntag zuvor bei Stadtlauf in Frankfurt eine 51:25 auf 10 km erreicht und verspürte ein leichtes zwicken im linken Oberschenkel, sodass sich meine Erwartungen in Grenzen hielten. Das Wetter war zum laufen ideal. Der Himmel war bedeckt und wie man an dem Bild unten sehen kann war es leicht diesig. Die Temperaturen waren mit ca. 17-18° nicht zu hoch und es blieb während des Laufes trocken. Ich bin für meine Verhältnisse sehr gut die Berge hinaufgekommen und mit einer Zeit von 52:28 sehr zufrieden.

Zurück im Stadion freute ich mich über die Verpflegung im Zielbereich, es geht doch nichts über eine Brauerei unter den Sponsoren. Auch des Infrastruktur gab es nichts auszusetzen. Umkleidekabinen und Duschen waren in ausreichender Anzahl vorhanden. Alles in allem ein gelungenes Event, das hoffentlich bei den folgenden Hessentagen seine Nachahmer findet.

Leider habe ich von diesem Even keine eigenen Bilder, da mir kurz vor dem Start meine Knipskamera heruntergefallen ist. Ich empfehle deshalb die Bildergalerien Lahn-Dill-Live.de und den Bericht auf Laufreport.de. In der Giessener Allgemeinen stand ebenfalls ein schöner Artikel vom Hessentagslauf. Und ich habe mein Bild des Bilderdienstes Hessentagslauf-Bilder.de erworben.

Ja, Hoffnungen hatte ich mir schon gemacht. Die Wettkampfzeiten im Vorfeld waren gar nicht so schlecht und ich habe mich gut gefühlt. Einzig der Blick auf die Wettervorhersage ließ mich zweifeln. Sollte es wirklich am Sonntag 26° werden?

Schon beim Abholen der Startnummer im schicken Buisnessbereich der MSV-Arena bekam ich Schweißausbrüche. Die Sonne brezelte vom Himmel, dass das T-Shirt klebte.

Die Veranstalter hatte vorsorglich schon den Start auf 9:20 für den Marathon angesetzt. Und zum Start stellte ich mir eher die Frage, ob die dunklen Brillengläser die richtigen seien oder ich nicht doch die orangen einsetzen sollte. Es war wolkig und meiner Einschätzung nach ca. 18° als sich das Feld mit ca. 1000 Läuferinnen und Läufern auf der Duisburger Kruppstrasse auf den Weg über die 42,195 km machten. Zuvor um 9:00 waren bereits die ca. 3000 Halbmarathonis auf die Strecke gegangen.

Ich peilte eine Zeit so um 3:55 an und bin wie immer mit einer 5:22er Pace etwas zu schnell angegangen. Die Laufstrecke führt zunächst Richtung Hauptbahnhof und von dort Richtung Innenstadt. Cool fand ich, die Kapelle des Stadttheaters, die ein Stück aus der Oper “Carmen” anstimmte, das dort zur Zeit auf dem Spielplan steht. Weiter ging es durch den Innenhafen, wo Kilometer 5 und die erste Verpflegungsstelle passiert wird.

Bei Kilometer 8 überquere ich die Ruhr und laufe durch das Gelände des Duisburger Hafens. Mit meiner Pace war ich zu dieser Zeit sehr zufrieden. Ich hatte eine 10km Durchgangszeit von 0:54:??. Kurze Zeit später biegt die Strecke ab nach Obermeiderich und führt über Meiderich und Ruhrort zur Rheinbrücke. Bis hierher ging es mir auch recht gut und die Pace stimmte auch. Ich bin etwas langsamer geworden, so dass alles im geplanten Bereich war. Am Ende der Brücke sollte Kilometer 18 erreicht sein und kurz danach war ein Verpflegungspunkt. Ich hatte geplant hier mein erstes Gel zu mir zu nehmen, denn Gels hatte ich bisher im er ganz gut vertragen. Diesmal allerdings nicht, doch davon später mehr.

Nach dem ich das Wasser an der 19 Kilometer-Verpflegung getrunken hatte, rumorte es in meinem Magen. Mich beschlich so das leichte Gefühl, dass es heute doch kein so gutes Ende geben würde wie erhofft. Als die Halbmarathon-Marke erreicht war, war ich mit einer Zeit von 1:56 noch voll im grünen Bereich. Dies hielt allerdings nicht lange an, da just zu diesem Moment der Himmel aufriss und herrlicher Sonnenschein zu Tage trat. Damit wurde es auch allmählich wärmer, was meinem Tempo gar nicht gut Tat.

Die folgenden Kilometer hatte ich eine Pace von ca 5:50 bis 6:10. Ich hatte die Hoffnung den Marathon noch einigermaßen gut über die Bühne zu bekommen. Allerdings meldete sich immer öfter mein Magen mit einem komischen Grummeln. Ich versuchte bei der nächsten Verpflegung mit Banane gegenzusteuern, denn das hatte zuletzt in Bregenz etwas Linderung gebracht. Diesmal allerdings nicht!

Am Ende der zweiten Rheinbrücke, also ungefähr Kilometer 27, hat mich dann die Gruppe um den Zug- und Bremsläufer für 4:00 Stunden überholt. Etwa einen Kilometer später an der Ecke zur Düsseldorfer Strasse (Kilometer 28) waren die Magen-und Verdauungsprobleme so schlimm, dass ich das Dixi-Klo aufsuchen musste. Von da ab war mir auch jede Zeit egal, Hauptsache einigermaßen ins Ziel kommen.

Zusätzlich machte eine aufkommende Schwüle das Läufen nicht angenehmen. Ungefähr ab Kilometer 30 musste ich häufig Gepausen einlegen, da sich so langsam mein linker Oberschenkel krampfhaft bemerkbar machte. Die 30 Kilometer Durchgangszeit lag bei 3:30 und ein ebenfalls mit Problemen kämpfender Mitläufer raunte mir zu: ” … wenn wir jetzt stramm gehen, sind wird bei 4:30 im Ziel.” Aber so einfach war das nicht mehr.

Eine Zeit lang lief ich in der Nähe eines großgewachsenen Triathleten vom AS Neukirchen-Vlyn. Irgendwann, ich schaute in einer Gehpause gerade zu ihm rüber, sagte er “Blöde Idee!”. Nach und nach überholten auch die Pacemaker-Gruppen für 4:15 und 4:30 und ich war immer noch nicht im Ziel. Die 4:30er-Gruppe überholte mich allerdings erst bei Kilometer 41. Die Gruppe war schnell außer Sichtweite, ich konnte mich aber jetzt endlich für die letzten 1,2 km aufraffen durchzulaufen.

Kurze Zeit später kommt auch die MSV-Arena in den Blick. Durch das Spalier des Biersponsoren und ins Stadtion mit den letzten Kräften und die letzte halbe Runde gelaufen. Am Ende habe ich für mich eine 4:30:56 gestoppt, aber angesichts der zweiten Hälfte war das auch ziemlich nebensächlich. Ich habe eine halbe Stunde beim alkoholfreien Weizen eines der Sponsoren gebraucht, um mich von der Anstrengung zu erholten. So langsam war auch mein Magen wieder gut zu mir.

Ein Vorteil der sehr gut organisierten Marathons in Duisburg ist, dass es durch die zahlreichen Sportstätten an der Wedau keinen Mangel an Duschen und Umkleidekabinen gibt. Eine Besonderheit ist dabei das Regenerationsschwimmen, dass in der Schwimmhalle neben der Arena stattfindet. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin von dem Duschen noch zwei Bahnen “ausgeschwommen”. Nachteilig fand ich, dass die Verpflegungsmöglichkeiten in Zielnähe ich besonderes zahlreich waren. Dabei meine ich nicht Wasser, Iso, Bier und Bananen für die Läufer im Ziel, sondern ich hätte gerne noch eine Bratwurst oder ein Stück Kuchen gegessen, aber die Bedienung im Biergarten der Seeterasse war bei dem Ansturm von Läufern und Besuchern leider etwas überfordert.

Der Zuschauerzuspruch auf den ersten 10 Kilometern ließ stark zu wünschen übrig. Dies war vorallem der frühen Startzeit geschuldet. Richtig toll war die Stimmung erst in den linksrheinischen Stadtteilen. Bei den anderen Stimmungsnestern kann nicht nicht mehr soviel sagen, da ich ab Kilometer 30 mehr mit mir selbst beschäftigt war  und die Zuschauer nur am Rande wahrgenommen habe.

Jetzt im Abstand von 5 Tage bin ich langsam über das “schlechte” Ergebnis hinweg und mache schon Pläne für den nächsten Marathon. Ich denke es wird mich wieder an die Ruhr ziehen. Im Oktober findet zum 50. Mal der Ruhr Marathon um den Baldeney-See statt und da will ich dabei sein.

In meinen letzten drei Blogposts habe ich von der re:publica 12 berichtet. Was liegt näher, wenn man sich zu dieser Zeit in der Marathonvorbereitung befindet und noch ein paar lange Läufe vor sich hat? Man sucht sich einen langen Wettkampf in der Urlaubsgegend und hat gleich noch einen Anlaß für einen Blogbericht.

Die Strecke das BIG 25 beginnt am Olympiastadion und führt durch den Tiergarten, vorbei an der Siegessäule, durch das Branderburger Tor, um den Gendarmenmarkt und zurück ins Olympiastadion. So gesehen ist es eigentlich 25 km Sightjogging durch Berlin. Von der Zielzeit habe ich mir nichts besonderes vorgestellt. Denn Christina, die mir den Trainingsplan geschrieben hat, hat mir zwei Tage zuvor ein recht heftiges Intervalltraining auf den Plan gesetzt. Mit einer 2:17 wäre ich echt zufrieden gewesen.

Die Startnummern gab es Tags zuvor im Karstadt Sport am Kurfürstendamm. Die Finisher-Shirts waren zugegebenermaßen relativ hässlich, aber was soll’s. Es gab in dem Laden Powerbar Gels im Sonderangebot, so dass ich mich gleich mal für die nächsten Ereignisse eingedeckt habe.

Das Wetter zum Start war gelinde gesagt recht schattig. Bei fluffigen 6° und bedecktem Himmel habe ich mich für den Lauf fertig gemacht. Da ich mit etwas anderem Wetter gerechnet habe, hatte ich nur kurz Laufkleidung dabei. Im Nachhinnein war ich über die frischen Temperaturen gar nicht so traurig, denn wenn es kühl ist, läuft es erheblich besser.

Pünktlich um 10 Uhr fiel der Startschuss und da Läuferfeld setze sich in Bewegung. Ich lief mit ca. 10.000 anderen Teilnehmern die Olympische Strasse und dann die Reichsstrasse hinunter. Nach ca. 2 km schaute ich da erste Mal auf die Uhr und stellte fest, dass ich erheblich vor meinem Zeitplan lag. Ich fühlte mich gut und hatte so keine Veranlassung langsamer zu werden. Die folgenden 2 Kilometer gingen auch leicht bergab, so dass ich noch etwas schneller wurde.

Hier hat mich dann auch @Feuerraeder überholt. Er hat mich dank meines Twitterlauftreffshirts gleich erkannt. Ich musste allerdings etwas rätseln, da ich das Gesicht nicht gleich einem Ava zuordnen konnte. Seinen Laufbericht könnt ihr hier lesen. @Feuerraeder war auf der Halbmarathondistanz unterwegs.

Am Beginn des Bezirks Tiergarten wurde die Strecke wieder flacher. Ich umrundete die Siegessäule und konnte gerade noch am Strassenrand den Berliner Bären fotografieren. Kurz danach bogen die Halbmarathonis am kleinen Stern nach rechts ab. Für die 25km-Läufer ging es weiter durch das Brandenburger Tor, den Pariser Platz und der Strasse Unter den Linden. Hier war auch Kilometer 10 erreicht. Ich drückte mir ein mitgenommenes Gel in den Mund und trank an der folgenden Verpflegungsstelle reichlich Wasser, um dem klebrigen Geschmack aus dem Mund zu bekommen.

Der Wendepunkt der Strecke war die Umrundung des Gendarmenmarktes. Von hier aus ging es über die Leipziger Strasse, Potsdamer Platz, am Tiergarten vorbei Richtung Kurfürstendamm. Irgendwo zwischen Wittenberg Platz und Ku’damm muss ich dann auch Jörn fotografiert haben. Jörn läuft barfuß, was mir ehrlich gesagt erst aufgefallen ist, als er sich bei mir gemeldet hat. Jörn hat hier seinen Bericht vom BIG 25 veröffentlicht.

Meine Pace war gut als ich mit dem Läuferfeld in die Kantstrasse in Charlottenburg einbog. So gegen Ende, wenn die Strasse dann Neue Kantstrasse heißt, geht es Richtung ICC leicht bergauf. Obwohl die Steigung nicht sehr steil ist, merkte ich deutlich, dass ich langsamer wurde. Es war nicht dramatisch und mit der Halbmarathonzeit, die am Theodor-Heuss-Platz erreicht war, war ich mit 1:52:37 nur ca. 20 Sekunden langsamer als in Venlo.

Langsam wurden allerdings meine Schritte schwerer und ich erwartete das Ziel. Zwei Kilometer nach der HM-Markierung kommt das Olympiastadtion wieder ins Blickfeld. Eine kurze Runde noch um den Olympischen Platz und die Jesse-Owens-Allee und ich laufe durch das Marathontor in das Olympiastadion ein. Ein halbe Runde auf der blauen Stadionbahn und es ist geschafft. Am Ende stand eine 2:13:50 auf der Uhr und ich war glücklich ca. 3 Minuten vor meiner geplanten Zeit durchs Ziel gelaufen zu sein.

Das Wetter im Ziel war immer noch recht frisch und die Duschsituation nicht so besonders toll, sodass ich beschlossen habe mir nur trockene Sachen anzuziehen und im Hotel zu duschen. Alles in allem hätte der Lauf mehr Zuschauer an der Strecke vertragen können, zum Teil waren die Läufer dann doch unter sich auf der Strecke. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bin ich im nächsten Jahr gerne wieder dabei, da es sich gut als Vorbereitungslauf eignet.

Zur Vervollständigung meines Projekts stand am vergangenen Wochenende der Halbmarathon beim Venloop in Venlo in den Niederlanden an. Im letzten Jahr hat mir bereits Gerd von den Borbecker Raketen auf Facebook von der tollen Stimmung an der Strecke berichtet und in diesem Jahr wollte ich es selbst erleben.
Ich hatte mein Quartier kurz vor der Grenze in Kaldenkirchen aufgeschlagen und bin nur für den Lauf kurz mit dem Zug nach Venlo gefahren. Am Tag vorher findet die Startnummernausgabe in der Buisness-Lounge des Stadions “de Koel” statt. Hier ist vielleicht ein kleiner Kritikpunkt an eine alles in allem gut organisierten Veranstaltung zu sehen. Die Lounge ist für die 13000 angemeldeten Läufer doch etwas beengt und bei der Anzahl der vorbestellten Shirt war man etwas zu knapp, sodass am Sonntag einige Größen nichtmetrisch verfügbar waren.
Die Veranstaltung umfasst, neben dem Halbmarathon und einem 10km-Lauf, auch einen 5km-Firmenlauf und mehrere Kinderläufe. Der Zeitplan ist sehr straff durchorganisiert, nach den Kinderläufen am Sonntagvormittag geht es um Punkt 12 auf die 10km-Runde. Da der Start zum Halbmarathon erst 105 Minuten später ist, hatte ich genügend Zeit mit das Treiben in der Staraufstellung zu beobachten. Unter lauten Technoklängen wurden die Läufer durch Cheerleader, die auf kleinen Gerüsten an den Seiten tanzten zum Warm-up animiert.
Vor dem Start zum Halbmarathon hatte ich noch Zeit Gerd und Markus zu treffen, bevor ich mich in den Startblock begab. Wie bei allen größeren Läufen gab es einen Einteilung nach Zielzeit. Ich hatte mir eine 1:55 ausgerechnet, insgeheim aber mit einer schnelleren Zeit geliebäugelt.
Nach dem Startschuss unter Konfettiregen dauerte es allerdings ca. 5 Minuten bis ich zur Startlinie kam. Es lief von Anfang an sehr gut. Ich konnte eine Pace von 5:10 gehen und hatte noch den Blick für einige Fotos. Der erste Kilometer ging durch die Altstadt von Venlo, in der die Zuschauer in Dreier- oder Viererreihen an der Strecke standen und die Läufer anfeuerten.
Nach einem kleinen Schlenker zum Maasufer ging es durch die Vorortbezirke von Venlo nach Süden Richtung Tegelen. Bei Kilometer 6 unterquert man die Autobahn. Bis hier hin war meine Pace besser als ich mir ausgerechnet habe, zeitweise lag ich sogar auf Bestzeitkurs. Über die gesamte Strecke war der Zuschauerzuspruch enorm und sogar durch häufiges Stimmungsnester an der Strecke verstärkt.
Ca. ab Kilometer 8 merkte ich allerdings, dass mein ursprünglich angeschlagenes Tempo etwas zu schnell war und meine Pace verlangsamte sich auf ca. 5:20-5:25. Bei Kilometer 10 dreht die Strecke wieder nach Norden. Ich hatte mit vorgenommen kurz vor dem Verpflegungspunkt bei Kilometer 11 ein Gel zu mir zunehmen. Das war besonders wichtig, da ich vergessen hatte mir die Bananen zum Mittagesssen einzupacken und demnach seit dem Morgen noch nichts gegessen hatte.
Bei Kilometer 13 überquert die Strecke parallel zur Autobahn die Maas. Dies war die einzige Stelle, wo lokationsbedingt der Zuschauerzuspruch etwas geringer war. Ich konnte im weiteren meine Pace halten während es durch die westlichen Vororte von Venlo ging.
Auch der Hammerman, den ein Sponsor bei Kilometer 17 an die Stecke gestellt hat, konnte mir nichts anhaben. Zwischen Kilometer 19 und 20 ging es parallel zur Eisenbahn wieder über die Maas Richtung Altstadt von Venlo, die immer noch proppenvoll mit Zuschauern war. Die Anfeuerungen der Zuschauer hat mich so gepusht, dass ich den letzten Kilometer in 4:57 absolviert habe. Im Ziel stand eine 1:52:11 auf meiner Uhr. Die offizielle Zeitnahme sagte dann 1:52:16, ich hatte wieder vergessen, die Autostopp-Funktion auszuschalten.
Mit einem erfreulichen Formtest und vielen schönen Eindrücken habe ich nach einem kurzen Shakehands mit Gerd im Ziel den Heimweg angetreten. Die Zeit von 1:52 könnte, wenn alles gut läuft auch eine sub 4 beim Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg geben. Wenn es bei den BIG 25 Anfang Mai in Berlin so gut läuft wie jetzt, bin ich ganz optimistisch.

Zum Schluß noch der Link zur Bildergallerie vom Venloop 2012.

 

Nachtrag 04.04.2012:

Ich habe die Videohighlights ganz vergessen.


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Der Bodensee 3-Länder-Marathon von Lindau nach Bregenz gehört nach diesem Wochenende nicht zu meinen Freunden. Das Laufevent am Bodensee war eingebettet in den Jahresausflug meines Lauftreffs und somit hatte ich keine hochfliegenden sportlichen Ziele. Lauftreffausflüge sind in der Regel mit einem feucht-frölichen Programm umrahmt, so dass eine überragende Leistung nicht zu erwarten war, aber darum ging es auch gar nicht.

Die meterologischen Voraussetzungen waren schon nicht die Besten. Während fast ganz Deutschland bei herrlichem Sonnenschein den Spätsommen genossen hat, waberte über dem Bodensee eine zähe Hochnebeldecke, die erst auf ca. 700 m Meereshöhe den Blick auf die Sonne freigab und auch an den Vortagen am Nachmittag nicht verschwand. Zu allem Überfluß hatte jemand in der Gruppe mit Verdauungsproblemen zu kämpfen und diese dann auch an andere Teilnehmer “verteilt”. Ich konnte von Glück sagen, dass er nicht nur die Viren, sondern auch die entsprechenden Medikamente in der Gruppe geteilt hat.

Seebühne Bregenz mit dem Bühnenbild für "André Chènier"

So stand ich dann mit einem etwas flauen Gefühl in Bregenz am Hafen um auf die Überfahrt nach Lindau zu warten. Da sich das Gefühl in der Magengegend nicht verschlimmerte, habe ich auf die Wirksamkeit des Medikaments vertraut und den Rest auf die aufsteigende Nervosität geschoben. In Lindau angekommen war der Hafen bereits voll von Läufern. Da ich auf dem vorletzten Schiff war, war der Zeitplan recht eng gesteckt, da bereits ca. 30 min vor dem Start die Kleiderbeutelabgabe schließt und man ca. 20 min vor dem Start im Startblock sein soll. Mit 7500 Startern auf den drei ausgeschriebenen Strecken Marathon, Halbmarathon und Viertelmarathon, sowie der Staffel verzeichnete der Veranstalter einen Teilnehmerrekort. Entsprechend eng ging es in der Staraufstellung zu.

Nervosität vor dem Start

Als das Läuferfeld um 11:11 Uhr auf die Strecke geschickt wurde, lichtet sich auch ganz allmählich der Nebel. Meine Nervosität in der Magengegend hatte sich gelegt und ich konnte auch für die ersten 5km mein geplantes Tempo angehen. Nach genau einer halben Stunde habe ich bei Kilometer 5,5 die Grenze nach Österreich überquert. Auf den folgenden Kilometern habe ich allerdings gemerkt, dass dies bereits der zweite Halbmarathon innerhalb von 4 Wochen ist. Ich hatte mit einer gewissen Ermüdung gerechnet, allerdings noch nicht so schnell. Da ich noch gut in der Zeit lag, habe ich mir darüber keine weiteren Gedanken gemacht.

Läuferfeld in der Lindauer Altstadt

Bei Kilometer 11 durchläuft man die Bregenzer Seebühne. Kurz vorher ist ein Verpflegungspunkt den ich etwas vermasselt habe, indem ich am Wasser vorbeigelaufen bin und gegen Ende irgendwas getrunken habe, was mir im nachhinnein nicht bekommen ist bzw. Magenkrämpfe verursacht hat. Es kann allerdings auch sein, dass das Durchfallmedikament in seiner Wirkung nachgelassen hat. Ich habe auf den folgenden Kilometern meine Pace um mindestens 30 sek. reduzieren müssen und sogar die eine oder andere Gehpause eingelegt. Die Einnahme eines Gels, die ich bei km 12 geplant hatte, habe ich seien gelassen, um die Magenprobleme nicht zu verschlimmern.

Bodenseeufer bei Lochau

Im folgenden habe ich mich nur darauf konzentriert ins Ziel zu kommen, egal mit welcher Zeit. Erleichterung gab es bei Verpflegungspunkt an Kilometer 15 kurz nach überqueren der Bregenzer Ach. Hier gab es zusätzlich zu den Getränken auch Bananen. Da ich mich sonst bei Läufen immer mit Gels ernärt habe, war ich zunächst skeptisch. Aber der Gedanke an die Aussage der Sporstkameraden aus dem Lauftreff, das Bananen gut bei Durchfall seien, hat mich dann doch zugreifen lassen. Und in der Tat die Magenkrämpfe ließen nach. Ich konnte zwar nicht an die Pace anknüpfen, die ich zu beginn des Rennens gegangen war, was mir aber in dem Fall ziemlich egal war, das Ziel war jetzt “Ankommen”!

Kloster Mehrerau

Bei Kilometer 18 zur letzten Verpflegung durchquert man das Kloster Mehrerau, bevor man im Bregenzer Casino-Stadion ins Ziel läuft. Mit einer Gesamtzeit von 2:02:08 bin ich in sofern nicht zufrieden, weil es mir unterwegs so dreckig gegangen ist. Positiv an diesem Lauf ist allerdings die super Stimmung an der Strecke und die üppige Zielverpflegung. Nach einigen Bananen im Ziel waren die Magenkrämpfe auch vergessen und ich konnte mich sogar am alkoholfreien Weissbier des Sponsors erfeuen. Noch ein kleines Wort zu Organisation, die alles in allem sehr gut war, allerdings mit 7500 Teilnehmern an die Grenze des machbaren stößt. Bedenklich fand ich allerdings, dass es beim Verlassen des Stadtioninnenraumes zu Staus gekommen ist. Im Falle von unvorhergesehenen Ereignissen kann das schnell zu Problemen mit Drängeleien oder Schlimmerem füren.

Vor dem Ziel im Casino-Stadion Bregenz

Als Fazit beibt fest zu halten, dass ich in meinem Projekt der 25 Halbmarathons nun einen Haken hinter Bayern und Österreich machen kann, aber ich hier noch eine Rechnung offen habe. Die Strecke ist schön und kann bei besserm Wetter, wie mir berichtet wurde, auch richtig reizvoll (Alpenpanorama oder so?) sein. Daneben ist sie, weil es ständig am Bodenseeufer entlang geht, auch relativ flach, so dass eigentlich eine gute Zeit hätte möglich sein können. In diesem Sinne ist eine Wiederholung des Events auf der To-Do-Liste gelandet.

Was als lockerer Test für den Hamburg Marathon gedacht war entpuppte sich als das härteste Rennen seit ca. einem Jahr. Aber nur der Reihe nach…
Ich kannte Prag von einem früheren Besuch im Frühjahr und erinnerte mich, dass es damals recht kalt war. Außerdem sah die Strecke auf der Karte recht flach und einfach aus, so wie der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

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Type: Run – Race
Duration: 1:55:13
Distance: 20.96 km

Die Anreise nach Prag gestaltete sich sehr unkompliziert, die Bahn bietet einen Express-Bus von Nürnberg aus an, mit dem man in 3:45 h in Prag ist und bei einem Preis von 19 EUR im Sparpreis kann man auch nicht meckern. Das Hotel, das ich mir ausgesucht habe, hatte zwar einige Macken, hat aber durch das freie WLAN einiges wett gemacht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Die Anreise am Donnerstag hat mir ermöglicht. noch ein kleines touristisches Programm einzubinden. Am Freitag habe ich mich erst einmal auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gemacht, bevor ich am Nachmittag auf der (Halb-)Marathon-Messe meine Startnummer abgeholt habe. Ich muss sagen, diese Veranstaltung ist noch ausbaufähig, vorallem was das kommerzielle Potential angeht. Die Abholung der Startnummer ging schnell und reibungslos, nur das Angebot an Artikeln rund um das Laufen ist an dieser Stelle hat an dieser Stelle noch Luft nach oben. OK, der Halbmarathon ist jetzt nicht das “Premium-Event”, aber mit einem Rekordteilnehmerfeld von 9500 Läufern, der Veranstalter musste seine Anmeldeseite schon zwei Wochen früher schließen, ist noch Potential vorhanden.
Die Startzeit des Prag Halbmarathons ist 12:00. Ab 10:00 konnte man mit seiner Startnummer die Prager Trams und Metro kostenfrei benutzen. Also habe ich mich um diese Uhrzeit mit der Metro auf den Weg zum Rudolfinum, dem Startort, gemacht. Die Wettervorhersage für den 02.04. lautete auf Sonnenschein und 20°C, es schien ein perfekter Frühlingstag zu werden.
Mit jeder Menge Zeit vor dem Start konnte ich noch ruhig die letzten Vorbereitungen treffen: GPS-Uhr an, Sonnenbrille auf, “Uschi-Socken” hochziehen, Kleiderbeutel abgeben, Pipi machen…was man halt so vor dem Start macht. Die Spannung steigt als ich in die Startaufstellung gehe.
Um Punkt 12 ist der Start für das Elitefeld, 4 Minuten später gehe ich dann zu den Klängen von Bedrich Smetanas “Die Moldau” über die Startlinie. Ich bemerke (erst jetzt!), dass ich bei meinen Überlegungen zwei wichtige Streckendetails vergessen habe: Kopfsteinpflaster und Strassenbahnschienen!
Das mit den falschen Vorstellungen ging nicht nur mir so, sondern auch der gutaussehenden jungen Dame rechts, die ich ca. bei Kilometer 8 gesehen habe. Straßenbahnschienen und die aus dem Straßenbelag aufragende Einfassung des Schienenweges erfordern höchste Konzentration auf das Laufen. Die Laufstrecke führt zunächst vom Rudolfinum nach Süden. Nach ca. 500m kommt man an der Karlsbrücke vorbei. Weiter geht es Richtung Vysehrad vorbei am “Tanzenden Haus”, einem der Sehnswürdigkeiten Prags aus neuerer Zeit. Kurz danach, bei Kilometer 3, kommt dem “Normalläufer” wie mir, die Spitze des Rennens auf der Gegenspur entgegen. Die Strecke bildet eine Schleife um ein Wohngebiet bevor bei Kilometer 5 der erste Getränkestand folgt. Nach einem weiteren Kilometer überquert das Läuferfeld zum ersten Mal die Moldau, um im Stadtteil Smichov die Brauerei Staropramen zu umrunden.
Bis hierher habe ich mich sehr gut gefühlt und die Pace war auch in dem Bereich, den ich mir vorgenommen habe, vielleich schon ein bischen zu schnell. Der an dieser Stelle etwas eintönige Streckenverlauf, vorbei an hohen Brauereimauern und die wenigen Zuschauer am Streckenrand tragen nicht unbedingt zur Steigerung der Laufmotivation bei. Ein höheres Zuschaueraufkommen und damit mehr Stimmung an und auf der Strecke kam erst bei der nächsten Überquerung der Moldau auf. Von hier bis zum ersten Vorbeilauf an Start und Ziel standen die meisten Zuschauer und war die beste Stimmung, die zusätzlich noch durch Musikgruppen angeheizt wurde. Hier kommt einem dann die Elite ein zweites Mal entgegen, zumindest wenn man eine Laufzeit hat wie ich.
An dieser Stelle überquert man ein drittes Mal die Moldau und läuft direkt auf die Prager Burg zu. Hinter der Brücke geht es Rechts ab vorbei den den Letenska-Anlagen zum Stadteil Holesovice. Dieser Streckenabschnitt hielt eine unerwartete Erschwernis bereit. Durch mehrere Brückenunterführungen sind doch ein paar Steigungen und Gefälle im Streckenverlauf, die ich so nicht vermutet habe. Dieser Streckenteil liegt fast vollständig in der Sonne, so dass die Laufstrecke zur nächsten Wasserstelle schier “unendlich” wird, vorallem da sie hier nicht bei Kilomerter 15 sondern erst nach 16,5 km ist. Kurz hinter der Brücke zum Stadtteil Liben konnte man sich das letzte Mal vor dem Ziel erfrischen. Hier hatte der sehr gut organisierte Rettungsdienst allerdings einiges zu tun. Ich konnte beobachten, dass es einigen Sportskameraden auf Grund des warmen Wetters solche Probleme hatten, dass sie ärztliche Hilfe benötigten.
Ich selbst hatte zwar keine Probleme dieser Art, konnte mein ursprünglich angeschlagenes Tempo dann doch nicht halten. Ich versuchte aber dennoch die Strecke unter 2:00 zu absolvieren.
Da hatte ich allerdings noch nicht mit den letzten 2 Kilometern gerechnet. Zunächst ging es weitere 2 Kilometer hinter der Wasserstelle durch eine ca. 300 m lange Unterführung in der meine GPS-Uhr kein Signal hatte und deshalb ein falsches Ergebnis lieferte und anschließend Kopfsteinpflaster! Nicht das die vorhergehenden 19 km schon anstrengend genug waren, aber die letzten 2 km fast durchgehend Kopfsteinpflaster (also zumindest kam es mir so vor!). Naja, ich hab’s überstanden und im Ziel stand eine Zeit von 1:58:18 und ich war glücklich meinen 8. Halbmarathon gefinished zu haben und dafür habe ich mir dann nacher eine Unterbrechung in meinem Fastenprogramm gegönnt und mir ein paar Bier (OK, mehr als zwei) und ein Paar (nur zwei) Würstchen  einverleibt.
Die Würstchen sind übringes eine tschechische “Spezialität”, so was wie Prags Antwort auf Handkäs mit Musik. Die Würstchen heißen Utopenci und werden im Volksmund auch “Ertunkene” oder “Wasserleichen” genannt. Es handelt sich um in Essig und Zwiebeln eingelegte fette Schweinewürste, die bei längerer Lagerung in der Essigtunke weiß werden, wie Wasserleichen.
Da ich in Prag fleißig fotografiert habe, gibt es im laufe der Woche noch einen Post über das touristische Programm aus Prag mit Link zu einer Galerie.

Am Freitag vergangener Wochen starteten wir mit 26 Personen vom Lauftreff der TG Naurod und dem Partnerschaftsverein Naurod-Fondettes unterstüzt von der Nauroder Apfelblütenkönigin Ann-Kartin I. zum Besuch unserer französischen Freunde anlässlich der Laufveranstaltung “Foulées des Fondettes”. Beim Empfang im Rathaus von Fondettes schaute ich, wie auch einige andere Laufkameraden, noch etwas irritiert, da es für mich der erste Besuch dieser Art in Frankreich war. Hinzu kam noch, dass sich meine Gastfamilie etwas verspätet hatte.

Von Foulees des Fondettes 2010

Nach dem Austausch protokolarischer Nettigkeiten wurde man dann bei Sekt aus lokalem Anbau dann etwas lockerer. Die anderen französischen Gastgeber deuteten mir an, dass die Verspätung meiner Gastfamilie “ne pas de problem” sein, also wartete ich auf das was kommen sollte.
Und das war eine richtige Überraschung: Meine Gastfamilie bewohnt eine an der Loire vorkommende Höhlenwohnung, ein sog. “maisons troglodytiques” in Luynes ca. 7 km von Fondettes entfernt.
Nach gemeinsamen Kennenlernen, folgte ein ausgiebiges Abendessen, nach dem ich mich in das mir zur Verfügung gestellte Kinderzimmer des Sohnes der Gastfamilie zurück ziehen konnte. Angesichts der Lokation (eine Höhle) machte es mir auch keine Angst, dass auf dem Bettbezug grüne Glibbermonster aufgedruckt waren. Der größte Unterschied zu meiner sonstigen Wohnung ist, dass es total dunkel ist. Auch von Außengeräuschen ist nichts zu hören. Das einzige was zu hören ist, sind die Schlafgeräusche der Mitbewohner.
Nach erholsamem Schalf, stand am nächsten Tag eine Stadtbesichtigung von Tours auf dem Programm, gefolgt von einer Weinprobe im Weinkeller der Gemeinde Montlouis sur Loire. Um ehrlich zu sein, die Weine haben mich nicht überzeugt. Der angebotene Sekt war zwar nicht schlecht, habe da aber auch schon besseres getrunken.

Von Foulees des Fondettes 2010
Von Foulees des Fondettes 2010

Gegen 19.00 stand ein kurzer gemeinsamer Lauf mit den Sportskameraden aus Fondettes auf dem Programm, die uns die Strecke des morgigen Laufes zeigen wollten. Bei der Strecke handelt es sich um eine 3 km Schleife durch die Stadt Fondettes.
Der Abschluß des Tages bildete wieder ein gemeinsames Abendessen mit unseren feierfreudigen französchischen Freunden.
Am Sonntag stand dann der Lauf “Foulées de Fondettes” auf dem Programm. Die Veranstaltung ist eine Qualifikation für die französischen Nationalmeisterschaften und die Departementmeisterschaften im Strassenlauf. Für die Läufer von der TG Naurod stand eher der olympische Gedanke im Vordergrund.
Obwohl ich erst seit 2 Wochen im Training bin, hatte ich mir eine Zielzeit von 55:00 vorgenommen. Das Resultat war dann mit 57:03 etwas schlechter als erwartet, aber “Vin rouge” ist nicht gerade eine optimale Vorbereitung für ein Rennen. Trotzdem hat beides Spaß gemacht.
Zur Verstärkung des Spaßfaktors haben dann unsere französischen Sportskameraden nach der Siegerehrung noch einmal zu einer gemeinsamen Feier geladen.

Von Foulees des Fondettes 2010

Es kam am montag Morgen die Zeit Abschied zu nehmen. Nach einem Abstecher zum örtlichen Supermarkt und einem Kurzbesuch des Schloß Chambord kam die lustige Laufgruppe der TG Naurod nach 10 Stunden fahrt wohlbehalten in Wiesbaden an.