Was als lockerer Test für den Hamburg Marathon gedacht war entpuppte sich als das härteste Rennen seit ca. einem Jahr. Aber nur der Reihe nach…
Ich kannte Prag von einem früheren Besuch im Frühjahr und erinnerte mich, dass es damals recht kalt war. Außerdem sah die Strecke auf der Karte recht flach und einfach aus, so wie der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

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Type: Run – Race
Duration: 1:55:13
Distance: 20.96 km

Die Anreise nach Prag gestaltete sich sehr unkompliziert, die Bahn bietet einen Express-Bus von Nürnberg aus an, mit dem man in 3:45 h in Prag ist und bei einem Preis von 19 EUR im Sparpreis kann man auch nicht meckern. Das Hotel, das ich mir ausgesucht habe, hatte zwar einige Macken, hat aber durch das freie WLAN einiges wett gemacht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Die Anreise am Donnerstag hat mir ermöglicht. noch ein kleines touristisches Programm einzubinden. Am Freitag habe ich mich erst einmal auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gemacht, bevor ich am Nachmittag auf der (Halb-)Marathon-Messe meine Startnummer abgeholt habe. Ich muss sagen, diese Veranstaltung ist noch ausbaufähig, vorallem was das kommerzielle Potential angeht. Die Abholung der Startnummer ging schnell und reibungslos, nur das Angebot an Artikeln rund um das Laufen ist an dieser Stelle hat an dieser Stelle noch Luft nach oben. OK, der Halbmarathon ist jetzt nicht das “Premium-Event”, aber mit einem Rekordteilnehmerfeld von 9500 Läufern, der Veranstalter musste seine Anmeldeseite schon zwei Wochen früher schließen, ist noch Potential vorhanden.
Die Startzeit des Prag Halbmarathons ist 12:00. Ab 10:00 konnte man mit seiner Startnummer die Prager Trams und Metro kostenfrei benutzen. Also habe ich mich um diese Uhrzeit mit der Metro auf den Weg zum Rudolfinum, dem Startort, gemacht. Die Wettervorhersage für den 02.04. lautete auf Sonnenschein und 20°C, es schien ein perfekter Frühlingstag zu werden.
Mit jeder Menge Zeit vor dem Start konnte ich noch ruhig die letzten Vorbereitungen treffen: GPS-Uhr an, Sonnenbrille auf, “Uschi-Socken” hochziehen, Kleiderbeutel abgeben, Pipi machen…was man halt so vor dem Start macht. Die Spannung steigt als ich in die Startaufstellung gehe.
Um Punkt 12 ist der Start für das Elitefeld, 4 Minuten später gehe ich dann zu den Klängen von Bedrich Smetanas “Die Moldau” über die Startlinie. Ich bemerke (erst jetzt!), dass ich bei meinen Überlegungen zwei wichtige Streckendetails vergessen habe: Kopfsteinpflaster und Strassenbahnschienen!
Das mit den falschen Vorstellungen ging nicht nur mir so, sondern auch der gutaussehenden jungen Dame rechts, die ich ca. bei Kilometer 8 gesehen habe. Straßenbahnschienen und die aus dem Straßenbelag aufragende Einfassung des Schienenweges erfordern höchste Konzentration auf das Laufen. Die Laufstrecke führt zunächst vom Rudolfinum nach Süden. Nach ca. 500m kommt man an der Karlsbrücke vorbei. Weiter geht es Richtung Vysehrad vorbei am “Tanzenden Haus”, einem der Sehnswürdigkeiten Prags aus neuerer Zeit. Kurz danach, bei Kilometer 3, kommt dem “Normalläufer” wie mir, die Spitze des Rennens auf der Gegenspur entgegen. Die Strecke bildet eine Schleife um ein Wohngebiet bevor bei Kilometer 5 der erste Getränkestand folgt. Nach einem weiteren Kilometer überquert das Läuferfeld zum ersten Mal die Moldau, um im Stadtteil Smichov die Brauerei Staropramen zu umrunden.
Bis hierher habe ich mich sehr gut gefühlt und die Pace war auch in dem Bereich, den ich mir vorgenommen habe, vielleich schon ein bischen zu schnell. Der an dieser Stelle etwas eintönige Streckenverlauf, vorbei an hohen Brauereimauern und die wenigen Zuschauer am Streckenrand tragen nicht unbedingt zur Steigerung der Laufmotivation bei. Ein höheres Zuschaueraufkommen und damit mehr Stimmung an und auf der Strecke kam erst bei der nächsten Überquerung der Moldau auf. Von hier bis zum ersten Vorbeilauf an Start und Ziel standen die meisten Zuschauer und war die beste Stimmung, die zusätzlich noch durch Musikgruppen angeheizt wurde. Hier kommt einem dann die Elite ein zweites Mal entgegen, zumindest wenn man eine Laufzeit hat wie ich.
An dieser Stelle überquert man ein drittes Mal die Moldau und läuft direkt auf die Prager Burg zu. Hinter der Brücke geht es Rechts ab vorbei den den Letenska-Anlagen zum Stadteil Holesovice. Dieser Streckenabschnitt hielt eine unerwartete Erschwernis bereit. Durch mehrere Brückenunterführungen sind doch ein paar Steigungen und Gefälle im Streckenverlauf, die ich so nicht vermutet habe. Dieser Streckenteil liegt fast vollständig in der Sonne, so dass die Laufstrecke zur nächsten Wasserstelle schier “unendlich” wird, vorallem da sie hier nicht bei Kilomerter 15 sondern erst nach 16,5 km ist. Kurz hinter der Brücke zum Stadtteil Liben konnte man sich das letzte Mal vor dem Ziel erfrischen. Hier hatte der sehr gut organisierte Rettungsdienst allerdings einiges zu tun. Ich konnte beobachten, dass es einigen Sportskameraden auf Grund des warmen Wetters solche Probleme hatten, dass sie ärztliche Hilfe benötigten.
Ich selbst hatte zwar keine Probleme dieser Art, konnte mein ursprünglich angeschlagenes Tempo dann doch nicht halten. Ich versuchte aber dennoch die Strecke unter 2:00 zu absolvieren.
Da hatte ich allerdings noch nicht mit den letzten 2 Kilometern gerechnet. Zunächst ging es weitere 2 Kilometer hinter der Wasserstelle durch eine ca. 300 m lange Unterführung in der meine GPS-Uhr kein Signal hatte und deshalb ein falsches Ergebnis lieferte und anschließend Kopfsteinpflaster! Nicht das die vorhergehenden 19 km schon anstrengend genug waren, aber die letzten 2 km fast durchgehend Kopfsteinpflaster (also zumindest kam es mir so vor!). Naja, ich hab’s überstanden und im Ziel stand eine Zeit von 1:58:18 und ich war glücklich meinen 8. Halbmarathon gefinished zu haben und dafür habe ich mir dann nacher eine Unterbrechung in meinem Fastenprogramm gegönnt und mir ein paar Bier (OK, mehr als zwei) und ein Paar (nur zwei) Würstchen  einverleibt.
Die Würstchen sind übringes eine tschechische “Spezialität”, so was wie Prags Antwort auf Handkäs mit Musik. Die Würstchen heißen Utopenci und werden im Volksmund auch “Ertunkene” oder “Wasserleichen” genannt. Es handelt sich um in Essig und Zwiebeln eingelegte fette Schweinewürste, die bei längerer Lagerung in der Essigtunke weiß werden, wie Wasserleichen.
Da ich in Prag fleißig fotografiert habe, gibt es im laufe der Woche noch einen Post über das touristische Programm aus Prag mit Link zu einer Galerie.