Nach dem mein letzter Marathon eher so der “Leidensweg” war, ging es dieses Mal richtig Gut und hat super Laune gemacht. Doch von Anfang an…

Zur 50sten Auflage des RWE Marathons um den Baldeneysee wollte ich unbedingt dabei sein, auch wenn ich dafür den Ausflug meines Lauftreffs in den Harz habe sausen lassen. Am Freitag ging es also mit dem Zug nach Essen. Gerd und Claudia von den Borbecker Raketen haben mich kurz nach der Ankunft per Twitter dazu überredet am Samstag noch mit Schwimmen zu gehen. Ausreden wie “ich habe keine Badehose mit” wurden nicht gelten lassen, da es in Essen seit zwei Wochen einen Decathlon gibt.
Also am Samstag morgen noch eine “wunderschöne” rote Badehose erstanden und zum Schwimmzentrum Rüttenscheid gedüst. Eine Stunde schwimmen gehörte bisher nicht zu meinem regelmäßigen Trainingsprogramm, sodass ich zwischendrin Bedenken hatte, mir für morgen einen gehörigen Muskelkater einzufangen. Es kam nicht so wie befürchtet, ob wohl ich am Sonntag morgen leicht verspannt in der Schulter war.
Gerd hat mich nach dem Schwimmen noch mit zur Startnummernausgabe genommen. Der Plan für Sonntag war, den Marathon in einer Zeit von 4:15 Stunden gemeinsam zu laufen. Gerd und die anderen Borbecker Raketen, wollten Claudia bei ihrem ersten Marathon begleiten.
Den Sonntag morgen habe ich sehr entspannt angehen lassen. Mein Hotel lag in Essen-Werden ca.3 km vom Start entfernt. Die Alternative war eine Station mit der S-Bahn fahren oder die Strecke zu gehen. Ich habe mich dazu entschlossen, einen gemütlichen “Morgenspaziergang” zum Start zu unternehmen. Das Wetter hat sich auch dazu angeboten. Es war etwas frisch (so ca. 6°C) und leicht bewölkt, also ideales Marathonwetter.
Am Startbereich die üblichen Vorbereitungen, Gels einstecken, Brille putzen, Schuhe binden und der obligatorische Gang zum Dixi-Klo. Obwohl ich in Duisburg schlechte Erfahrungen mit den Gels gemacht habe, haben ich dieses Mal wieder darauf vertraut, dass es funktioniert. Denn meine Magenprobleme kamen zwar von den Gels, aber hatten auch sehr viel mit der Hitze an diesem Tag zu tun und das war heute ganz und gar nicht so.
Kurz vor dem Start habe ich dann auch Gerd mit den Borbecker Raketen wieder getroffen und wie haben uns am Zug- und Bremsläufer für 4:15 Stunden orientiert. Pünktlich um 10:00 Uhr ging es auf die 42,195 km. Die Stecke startet in der Nähe des Regattahauses des TUSEM Essen und führt zunächst nach Südwesten Richtung Essen-Werden. Dort überquert das Läuferfeld die Ruhr, um nach einem kurzen Weg durch den Ort auf der Südseite des Sees Richtung Essen-Kupferdreh zu laufen.
Dort ist nach 11 km die zweite Verflegung. Anschließend überquert man auf der Kampmannbrücke zu zweiten Mal die Ruhr. Die Pacemaker-Gruppe, mit der ich unterwegs war, war für die das angepeilete Zeil sehr flott auf der Strecke. Ich hatte zeitweise eine Pace von 5:48 auf der Uhr. Das war in etwas die Pace meines ersten Marathons, den ich dann mit ca. 4:05 beendete.
Am Ende der Kampmannbrücke kommt eine 2,5 km lange Stichstrecke, die die erste von der zweiten Runde unterscheidet. Nach dem man wieder auf die Seerunde eingebogen ist, erreicht man in der Höhe der Zeche Carl Funke die Halbmarathonmarke. Ich war da bei ca. 2:03 und war weiterhin mit meiner Pace sehr zufrieden. Auch meinen Begleitern ging es zu dieser Zeit noch recht gut.
Bei Kilometer 23 erreicht man wieder den Start in der Höhe des TUSEM Regattahauses. Gegenüber des letzten Marathons habe ich mit in Sachen Gels eine andere Vorgehensweise übergelegt. Anstelle bei Halbmarathon und km 30 ein Gel zu mir zu nehmen, wollte ich dies auf km 25 und 33 hinausschieben.
Mein Plan ist dieses Mal voll aufgegangen und außerdem habe ich von den Gels keine Magenprobleme bekommen. Dies lag höchstwahrscheinlich daran, dass die Temperaturen an diesem Tag im gemäßigten Bereich lagen, bei Hitze hätte ich bestimmt wieder Probleme bekommen.

Im Ziel

Ab ca. Kilometer 28 wurden meine Belegleiter auch etwas langsamer und wir verloren den Anschluß an die Pacemaker-Gruppe. Ich hörte nur hinter mir die Kollegen Claudia zu motivieren wieder an die Gruppe aufzulaufen, allerdings hatte sie selbst zu kämpfen, so dass sie den Versuch ablehnte. Ich fühlte mich noch frisch genug, so dass ich mir vorgenommen habe, in den nächsten 2 bis 3 Kilometern den Anschluss wieder herzustellen.

Ungefähr einen Kilometer vor der vorletzten Verpflegung im Essen Kupferdreh hatte ich die Ballons wieder eingeholt. Die Durchschnittspace lang nach meiner Uhr immerhin noch bei 5:54. Bis ca. Kilometer 38 war ich immer noch den Ballons der Pacemaker auf den Fersen, bis denen auffiel, dass sie eigentlich viel zu schnell sind und plötzlich langsamer wurden. Also ließ ich die Pacemaker hinter mir und machte mich alleine auf den Weg ins Ziel. Es ist erstaunlich, wie viele Leute ich noch auf den letzten vier Kilometern überholt habe.
Die Zwischenzeit bei 40 km zeigte eine Bruttozeit von exakt 3:59:00, sodass ich mit Hoffnungen auf eine Zeit um 4:10 machte. Am Ende stand eine 4:10:49 auf der Uhr, die durch die offizielle Zeitnahme noch zu einer 4:10:51  korrigiert wurde. Froh und Glücklich ließ ich mir das Bier im Zielbereich schmecken.
Claudia hat dann, begleitet von Gerd und Tobias ihr Marathondebut mit eine 4:18 absolviert. Ich wüsche ihr auf diesem Wege beste Erholung und bedanke mich bei Gerd und den anderen Borbecker Raketen für die tolle Begleitung an diesem Marathonwochendend.

Um 4.00 Uhr aufstehen ist schon ziemlich hart, aber was danach kommt ist noch viel härter. Ich hatte mich für den Nürburgringlauf angemeldet und das heißt zunächst früh aufstehen. Als ich am Ring ankam waren es 11° und der Nebel trieb sich um die Boxenanlagen der Rennstrecke. Ich hatte noch reichlich Zeit für die üblichen Startvorbereitungen. In dem Getümmel der Läufer habe ich auch noch Gerd und Tobias aus Essen getroffen. Später in der Staraufstellung habe ich noch ein paar Worte mit @laufmeister (hier sein Blog-Bericht) gewechselt. Da die letzten Trainings nicht so besonders gut liefen, habe ich mir etwas Sorgen gemacht. Eine Zeitvorstellung hatte ich nicht wirklich, da ich das Höhenprofil der Strecke kannte. Im Mai in Berlin liefen die 25 km mit 2:13 sehr gut, aber dort ist die Strecke so gut wie flach.

Nach dem Start wird zunächst auf der Grand-Prix-Strecke gelaufen. Vor Ort hat man erst den richtigen Eindruck, wie steil es an vielen Stellen, die man aus den Rennübertragungen im Fernsehen kennt, ist. Zu beiden Seiten der GP-Strecke campten die Rad- und MTB-Teams für das nachmittags stattfindende Event “Rad am Ring”.

Gerd und ich in der Ringarena

Ich hatte mir vorgenommen es langsam angehen zu lassen und war mit der anfänglichen Pace von 5:50 ganz zufrieden. Nach 3 km biegt man dann auf die Nordschleife ein und die grüne Hölle beginnt. Es ging erst einmal steil den Berg hinab, bevor es auf ein ständiges Auf und Ab durch die Eifel geht. Bei Kilometer 4 hatte ich dann einigermaßen einen Rhythmus gefunden und das Läufen machte so richtig Spaß.

Vor dem Start

Langsam spürte ich allerdings, dass ich vor dem Start einmal zu wenig auf der Toilette war und ich gezwungen war einen keinen “Boxenstopp” in den Büschen einzulegen. Kurz nach dem Boxenstopp bei Kilometer 8 beginnt dann der Streckenteil, der mir den wahnsinnigen Muskelkater eingebrockt hat. Es geht von dort bis Breitscheid auf einer Strecke von 3 Kilometer ca. 300 Höhenmeter bergab. Danach folgt allerdings der anstrengende Teil der Strecke.

Karussel

Hinter Breitscheid ist zunächst ein Anstieg, der für normal trainierte Freizeitläufer eine Höchstschwierigkeit ist. Ungefähr bei der Hälfte hatte ich einen Puls von 162, was für mich der rote Bereich ist und ich für den Rest eine Gehpause einlegen musste, um wieder runter zu kommen.
Die anschlie

ßen den Steigungen bis zur Hohen Acht, die das gleiche Niveau wie der Start hat, sind ebenfalls von einigen Gehpausen begleitet.

Die Hohe Acht liegt bei Steckenkilometer 16, so dass hier noch 8 Kilometer bis zum Ziel sind. Es setz sich hier die Berg- und Talfahrt, die ich schon von den ersten Kilometern kannte fort. Allerdings war ich bei jeder neuen Steigung angestrengter. Wenn man dann kurz nach Kilometer 20 auf die Döttinger Höhe kommt, glaubt man am Ende der etwa 2 Kilometer langen Gerade schon fast das Ziel zu sehen. Leider ist das ein Trugschluss. Auf dem letzten Kilometer, der sich in einer S-Kurve den Berg hoch schlängelt sind noch einmal ca. 50 Höhenmeter zu bewältigen, bevor man auf die Zielgerade kommt. Vor hier noch ca. 700 m und die Quälerei ist geschafft. Mit 2:38:14 war ich endlich im Ziel. Die Zeit spielte am Ende keine Rolle mehr und so fertig, war ich keinem Lauf, selbst nach dem Hitzemarathon in Duisburg nicht.

Döttinger Höhe

Vorteilhaft war, das es in der Ringarena ordentlich warme Duschen gab. Leider war die Umkleide etwas klein, so dass sich die meisten auf dem Gang umgezogen haben. Das Bezahlsystem an den Kiosken mit der Ringcard ist allerdings nicht so ganz schlüssig, dass man eine Plastikkarte bei einem Mitarbeiter vor dem Kiosk aufladen muss, dann mit dem Plasikgeld zu bezahlen und an einer anderen Kasse das zuviel aufgeladene Geld wieder ausgezahlt zu bekommen, ist jetzt aus Kundensicht nicht gerade Effektiv zu nennen. Aber hier fängt dann eine Grundsatzdiskussion an, die ich hier nicht führen möchte.Ich habe mir noch eine dicke Portion Currywurst mit Pommes gegönnt, bevor ich den Nachmittag in Bonn habe ausklingen lassen. Davon könnt ihr bald in meinem anderen Blog lesen.

Ja, Hoffnungen hatte ich mir schon gemacht. Die Wettkampfzeiten im Vorfeld waren gar nicht so schlecht und ich habe mich gut gefühlt. Einzig der Blick auf die Wettervorhersage ließ mich zweifeln. Sollte es wirklich am Sonntag 26° werden?

Schon beim Abholen der Startnummer im schicken Buisnessbereich der MSV-Arena bekam ich Schweißausbrüche. Die Sonne brezelte vom Himmel, dass das T-Shirt klebte.

Die Veranstalter hatte vorsorglich schon den Start auf 9:20 für den Marathon angesetzt. Und zum Start stellte ich mir eher die Frage, ob die dunklen Brillengläser die richtigen seien oder ich nicht doch die orangen einsetzen sollte. Es war wolkig und meiner Einschätzung nach ca. 18° als sich das Feld mit ca. 1000 Läuferinnen und Läufern auf der Duisburger Kruppstrasse auf den Weg über die 42,195 km machten. Zuvor um 9:00 waren bereits die ca. 3000 Halbmarathonis auf die Strecke gegangen.

Ich peilte eine Zeit so um 3:55 an und bin wie immer mit einer 5:22er Pace etwas zu schnell angegangen. Die Laufstrecke führt zunächst Richtung Hauptbahnhof und von dort Richtung Innenstadt. Cool fand ich, die Kapelle des Stadttheaters, die ein Stück aus der Oper “Carmen” anstimmte, das dort zur Zeit auf dem Spielplan steht. Weiter ging es durch den Innenhafen, wo Kilometer 5 und die erste Verpflegungsstelle passiert wird.

Bei Kilometer 8 überquere ich die Ruhr und laufe durch das Gelände des Duisburger Hafens. Mit meiner Pace war ich zu dieser Zeit sehr zufrieden. Ich hatte eine 10km Durchgangszeit von 0:54:??. Kurze Zeit später biegt die Strecke ab nach Obermeiderich und führt über Meiderich und Ruhrort zur Rheinbrücke. Bis hierher ging es mir auch recht gut und die Pace stimmte auch. Ich bin etwas langsamer geworden, so dass alles im geplanten Bereich war. Am Ende der Brücke sollte Kilometer 18 erreicht sein und kurz danach war ein Verpflegungspunkt. Ich hatte geplant hier mein erstes Gel zu mir zu nehmen, denn Gels hatte ich bisher im er ganz gut vertragen. Diesmal allerdings nicht, doch davon später mehr.

Nach dem ich das Wasser an der 19 Kilometer-Verpflegung getrunken hatte, rumorte es in meinem Magen. Mich beschlich so das leichte Gefühl, dass es heute doch kein so gutes Ende geben würde wie erhofft. Als die Halbmarathon-Marke erreicht war, war ich mit einer Zeit von 1:56 noch voll im grünen Bereich. Dies hielt allerdings nicht lange an, da just zu diesem Moment der Himmel aufriss und herrlicher Sonnenschein zu Tage trat. Damit wurde es auch allmählich wärmer, was meinem Tempo gar nicht gut Tat.

Die folgenden Kilometer hatte ich eine Pace von ca 5:50 bis 6:10. Ich hatte die Hoffnung den Marathon noch einigermaßen gut über die Bühne zu bekommen. Allerdings meldete sich immer öfter mein Magen mit einem komischen Grummeln. Ich versuchte bei der nächsten Verpflegung mit Banane gegenzusteuern, denn das hatte zuletzt in Bregenz etwas Linderung gebracht. Diesmal allerdings nicht!

Am Ende der zweiten Rheinbrücke, also ungefähr Kilometer 27, hat mich dann die Gruppe um den Zug- und Bremsläufer für 4:00 Stunden überholt. Etwa einen Kilometer später an der Ecke zur Düsseldorfer Strasse (Kilometer 28) waren die Magen-und Verdauungsprobleme so schlimm, dass ich das Dixi-Klo aufsuchen musste. Von da ab war mir auch jede Zeit egal, Hauptsache einigermaßen ins Ziel kommen.

Zusätzlich machte eine aufkommende Schwüle das Läufen nicht angenehmen. Ungefähr ab Kilometer 30 musste ich häufig Gepausen einlegen, da sich so langsam mein linker Oberschenkel krampfhaft bemerkbar machte. Die 30 Kilometer Durchgangszeit lag bei 3:30 und ein ebenfalls mit Problemen kämpfender Mitläufer raunte mir zu: ” … wenn wir jetzt stramm gehen, sind wird bei 4:30 im Ziel.” Aber so einfach war das nicht mehr.

Eine Zeit lang lief ich in der Nähe eines großgewachsenen Triathleten vom AS Neukirchen-Vlyn. Irgendwann, ich schaute in einer Gehpause gerade zu ihm rüber, sagte er “Blöde Idee!”. Nach und nach überholten auch die Pacemaker-Gruppen für 4:15 und 4:30 und ich war immer noch nicht im Ziel. Die 4:30er-Gruppe überholte mich allerdings erst bei Kilometer 41. Die Gruppe war schnell außer Sichtweite, ich konnte mich aber jetzt endlich für die letzten 1,2 km aufraffen durchzulaufen.

Kurze Zeit später kommt auch die MSV-Arena in den Blick. Durch das Spalier des Biersponsoren und ins Stadtion mit den letzten Kräften und die letzte halbe Runde gelaufen. Am Ende habe ich für mich eine 4:30:56 gestoppt, aber angesichts der zweiten Hälfte war das auch ziemlich nebensächlich. Ich habe eine halbe Stunde beim alkoholfreien Weizen eines der Sponsoren gebraucht, um mich von der Anstrengung zu erholten. So langsam war auch mein Magen wieder gut zu mir.

Ein Vorteil der sehr gut organisierten Marathons in Duisburg ist, dass es durch die zahlreichen Sportstätten an der Wedau keinen Mangel an Duschen und Umkleidekabinen gibt. Eine Besonderheit ist dabei das Regenerationsschwimmen, dass in der Schwimmhalle neben der Arena stattfindet. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin von dem Duschen noch zwei Bahnen “ausgeschwommen”. Nachteilig fand ich, dass die Verpflegungsmöglichkeiten in Zielnähe ich besonderes zahlreich waren. Dabei meine ich nicht Wasser, Iso, Bier und Bananen für die Läufer im Ziel, sondern ich hätte gerne noch eine Bratwurst oder ein Stück Kuchen gegessen, aber die Bedienung im Biergarten der Seeterasse war bei dem Ansturm von Läufern und Besuchern leider etwas überfordert.

Der Zuschauerzuspruch auf den ersten 10 Kilometern ließ stark zu wünschen übrig. Dies war vorallem der frühen Startzeit geschuldet. Richtig toll war die Stimmung erst in den linksrheinischen Stadtteilen. Bei den anderen Stimmungsnestern kann nicht nicht mehr soviel sagen, da ich ab Kilometer 30 mehr mit mir selbst beschäftigt war  und die Zuschauer nur am Rande wahrgenommen habe.

Jetzt im Abstand von 5 Tage bin ich langsam über das “schlechte” Ergebnis hinweg und mache schon Pläne für den nächsten Marathon. Ich denke es wird mich wieder an die Ruhr ziehen. Im Oktober findet zum 50. Mal der Ruhr Marathon um den Baldeney-See statt und da will ich dabei sein.

In meinen letzten drei Blogposts habe ich von der re:publica 12 berichtet. Was liegt näher, wenn man sich zu dieser Zeit in der Marathonvorbereitung befindet und noch ein paar lange Läufe vor sich hat? Man sucht sich einen langen Wettkampf in der Urlaubsgegend und hat gleich noch einen Anlaß für einen Blogbericht.

Die Strecke das BIG 25 beginnt am Olympiastadion und führt durch den Tiergarten, vorbei an der Siegessäule, durch das Branderburger Tor, um den Gendarmenmarkt und zurück ins Olympiastadion. So gesehen ist es eigentlich 25 km Sightjogging durch Berlin. Von der Zielzeit habe ich mir nichts besonderes vorgestellt. Denn Christina, die mir den Trainingsplan geschrieben hat, hat mir zwei Tage zuvor ein recht heftiges Intervalltraining auf den Plan gesetzt. Mit einer 2:17 wäre ich echt zufrieden gewesen.

Die Startnummern gab es Tags zuvor im Karstadt Sport am Kurfürstendamm. Die Finisher-Shirts waren zugegebenermaßen relativ hässlich, aber was soll’s. Es gab in dem Laden Powerbar Gels im Sonderangebot, so dass ich mich gleich mal für die nächsten Ereignisse eingedeckt habe.

Das Wetter zum Start war gelinde gesagt recht schattig. Bei fluffigen 6° und bedecktem Himmel habe ich mich für den Lauf fertig gemacht. Da ich mit etwas anderem Wetter gerechnet habe, hatte ich nur kurz Laufkleidung dabei. Im Nachhinnein war ich über die frischen Temperaturen gar nicht so traurig, denn wenn es kühl ist, läuft es erheblich besser.

Pünktlich um 10 Uhr fiel der Startschuss und da Läuferfeld setze sich in Bewegung. Ich lief mit ca. 10.000 anderen Teilnehmern die Olympische Strasse und dann die Reichsstrasse hinunter. Nach ca. 2 km schaute ich da erste Mal auf die Uhr und stellte fest, dass ich erheblich vor meinem Zeitplan lag. Ich fühlte mich gut und hatte so keine Veranlassung langsamer zu werden. Die folgenden 2 Kilometer gingen auch leicht bergab, so dass ich noch etwas schneller wurde.

Hier hat mich dann auch @Feuerraeder überholt. Er hat mich dank meines Twitterlauftreffshirts gleich erkannt. Ich musste allerdings etwas rätseln, da ich das Gesicht nicht gleich einem Ava zuordnen konnte. Seinen Laufbericht könnt ihr hier lesen. @Feuerraeder war auf der Halbmarathondistanz unterwegs.

Am Beginn des Bezirks Tiergarten wurde die Strecke wieder flacher. Ich umrundete die Siegessäule und konnte gerade noch am Strassenrand den Berliner Bären fotografieren. Kurz danach bogen die Halbmarathonis am kleinen Stern nach rechts ab. Für die 25km-Läufer ging es weiter durch das Brandenburger Tor, den Pariser Platz und der Strasse Unter den Linden. Hier war auch Kilometer 10 erreicht. Ich drückte mir ein mitgenommenes Gel in den Mund und trank an der folgenden Verpflegungsstelle reichlich Wasser, um dem klebrigen Geschmack aus dem Mund zu bekommen.

Der Wendepunkt der Strecke war die Umrundung des Gendarmenmarktes. Von hier aus ging es über die Leipziger Strasse, Potsdamer Platz, am Tiergarten vorbei Richtung Kurfürstendamm. Irgendwo zwischen Wittenberg Platz und Ku’damm muss ich dann auch Jörn fotografiert haben. Jörn läuft barfuß, was mir ehrlich gesagt erst aufgefallen ist, als er sich bei mir gemeldet hat. Jörn hat hier seinen Bericht vom BIG 25 veröffentlicht.

Meine Pace war gut als ich mit dem Läuferfeld in die Kantstrasse in Charlottenburg einbog. So gegen Ende, wenn die Strasse dann Neue Kantstrasse heißt, geht es Richtung ICC leicht bergauf. Obwohl die Steigung nicht sehr steil ist, merkte ich deutlich, dass ich langsamer wurde. Es war nicht dramatisch und mit der Halbmarathonzeit, die am Theodor-Heuss-Platz erreicht war, war ich mit 1:52:37 nur ca. 20 Sekunden langsamer als in Venlo.

Langsam wurden allerdings meine Schritte schwerer und ich erwartete das Ziel. Zwei Kilometer nach der HM-Markierung kommt das Olympiastadtion wieder ins Blickfeld. Eine kurze Runde noch um den Olympischen Platz und die Jesse-Owens-Allee und ich laufe durch das Marathontor in das Olympiastadion ein. Ein halbe Runde auf der blauen Stadionbahn und es ist geschafft. Am Ende stand eine 2:13:50 auf der Uhr und ich war glücklich ca. 3 Minuten vor meiner geplanten Zeit durchs Ziel gelaufen zu sein.

Das Wetter im Ziel war immer noch recht frisch und die Duschsituation nicht so besonders toll, sodass ich beschlossen habe mir nur trockene Sachen anzuziehen und im Hotel zu duschen. Alles in allem hätte der Lauf mehr Zuschauer an der Strecke vertragen können, zum Teil waren die Läufer dann doch unter sich auf der Strecke. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bin ich im nächsten Jahr gerne wieder dabei, da es sich gut als Vorbereitungslauf eignet.

seht ihr hier

Den Bericht gibt’s später. Ich bin momentan im Schreiberückstand.

Zur Vervollständigung meines Projekts stand am vergangenen Wochenende der Halbmarathon beim Venloop in Venlo in den Niederlanden an. Im letzten Jahr hat mir bereits Gerd von den Borbecker Raketen auf Facebook von der tollen Stimmung an der Strecke berichtet und in diesem Jahr wollte ich es selbst erleben.
Ich hatte mein Quartier kurz vor der Grenze in Kaldenkirchen aufgeschlagen und bin nur für den Lauf kurz mit dem Zug nach Venlo gefahren. Am Tag vorher findet die Startnummernausgabe in der Buisness-Lounge des Stadions “de Koel” statt. Hier ist vielleicht ein kleiner Kritikpunkt an eine alles in allem gut organisierten Veranstaltung zu sehen. Die Lounge ist für die 13000 angemeldeten Läufer doch etwas beengt und bei der Anzahl der vorbestellten Shirt war man etwas zu knapp, sodass am Sonntag einige Größen nichtmetrisch verfügbar waren.
Die Veranstaltung umfasst, neben dem Halbmarathon und einem 10km-Lauf, auch einen 5km-Firmenlauf und mehrere Kinderläufe. Der Zeitplan ist sehr straff durchorganisiert, nach den Kinderläufen am Sonntagvormittag geht es um Punkt 12 auf die 10km-Runde. Da der Start zum Halbmarathon erst 105 Minuten später ist, hatte ich genügend Zeit mit das Treiben in der Staraufstellung zu beobachten. Unter lauten Technoklängen wurden die Läufer durch Cheerleader, die auf kleinen Gerüsten an den Seiten tanzten zum Warm-up animiert.
Vor dem Start zum Halbmarathon hatte ich noch Zeit Gerd und Markus zu treffen, bevor ich mich in den Startblock begab. Wie bei allen größeren Läufen gab es einen Einteilung nach Zielzeit. Ich hatte mir eine 1:55 ausgerechnet, insgeheim aber mit einer schnelleren Zeit geliebäugelt.
Nach dem Startschuss unter Konfettiregen dauerte es allerdings ca. 5 Minuten bis ich zur Startlinie kam. Es lief von Anfang an sehr gut. Ich konnte eine Pace von 5:10 gehen und hatte noch den Blick für einige Fotos. Der erste Kilometer ging durch die Altstadt von Venlo, in der die Zuschauer in Dreier- oder Viererreihen an der Strecke standen und die Läufer anfeuerten.
Nach einem kleinen Schlenker zum Maasufer ging es durch die Vorortbezirke von Venlo nach Süden Richtung Tegelen. Bei Kilometer 6 unterquert man die Autobahn. Bis hier hin war meine Pace besser als ich mir ausgerechnet habe, zeitweise lag ich sogar auf Bestzeitkurs. Über die gesamte Strecke war der Zuschauerzuspruch enorm und sogar durch häufiges Stimmungsnester an der Strecke verstärkt.
Ca. ab Kilometer 8 merkte ich allerdings, dass mein ursprünglich angeschlagenes Tempo etwas zu schnell war und meine Pace verlangsamte sich auf ca. 5:20-5:25. Bei Kilometer 10 dreht die Strecke wieder nach Norden. Ich hatte mit vorgenommen kurz vor dem Verpflegungspunkt bei Kilometer 11 ein Gel zu mir zunehmen. Das war besonders wichtig, da ich vergessen hatte mir die Bananen zum Mittagesssen einzupacken und demnach seit dem Morgen noch nichts gegessen hatte.
Bei Kilometer 13 überquert die Strecke parallel zur Autobahn die Maas. Dies war die einzige Stelle, wo lokationsbedingt der Zuschauerzuspruch etwas geringer war. Ich konnte im weiteren meine Pace halten während es durch die westlichen Vororte von Venlo ging.
Auch der Hammerman, den ein Sponsor bei Kilometer 17 an die Stecke gestellt hat, konnte mir nichts anhaben. Zwischen Kilometer 19 und 20 ging es parallel zur Eisenbahn wieder über die Maas Richtung Altstadt von Venlo, die immer noch proppenvoll mit Zuschauern war. Die Anfeuerungen der Zuschauer hat mich so gepusht, dass ich den letzten Kilometer in 4:57 absolviert habe. Im Ziel stand eine 1:52:11 auf meiner Uhr. Die offizielle Zeitnahme sagte dann 1:52:16, ich hatte wieder vergessen, die Autostopp-Funktion auszuschalten.
Mit einem erfreulichen Formtest und vielen schönen Eindrücken habe ich nach einem kurzen Shakehands mit Gerd im Ziel den Heimweg angetreten. Die Zeit von 1:52 könnte, wenn alles gut läuft auch eine sub 4 beim Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg geben. Wenn es bei den BIG 25 Anfang Mai in Berlin so gut läuft wie jetzt, bin ich ganz optimistisch.

Zum Schluß noch der Link zur Bildergallerie vom Venloop 2012.

 

Nachtrag 04.04.2012:

Ich habe die Videohighlights ganz vergessen.

Startbogen zum 30. Frankfurt Marathon

Sonntag, den 30. Oktober kam es zur ersten #twitterlauftreff-Staffel beim Frankfurt Marathon. @Sancho_P hat die Staffel ursprünglich organisiert, aber nicht in der Formation, in der sie dann endgültig gelaufen ist. Die Idee zur Staffel kam @Sancho_P ungefähr im Juni oder Juli und als Teilnehmer sollten ich als Startläufer, @flynux, @soeren76 und @Sancho_P die Staffel bilden. Alles wurde im Sommer dann beim #twitterlauftreffgrillen in Frankfurt-Bonames festgeklopft. Leider haben sich @flynux und @soeren76 in der Zwischenzeit heftiger verletzt, so dass an eine Teilnahme nicht zu denken war. @Sancho_P musste sich nach erfolgreicher Teilnahme am Köln Marathon einer anstrengenden Herzkatheteruntersuchung unterziehen, so dass nicht klar war, ob wir wirklich antreten.

Erst eine Woche vor dem Frankfurt Marathon hatten wir endlich Klarheit. @Sancho_P hatte unter Auflagen das OK von seinem Doc und zwei Ersatzstarter(innen) waren gefunden. So wurde auch die Startreihenfolge neu gemischt. Ich hatte nach wie vor den Start und übergab nach 12km an @Sancho_P. Zum Halbmarathon übernahm @Jola_rennt, bevor Marianne die Schlußstrecke übernahm.

After-Pasta-Party im Vapiano in Frankfurt

Interessante Aspekte eröffneten sich bei #twitterlauftreff-Tweetup während der Pasta-Party in der Frankfurter Festhalle. Schön, die Menschen im Reallife zu treffen, die man sonst nur über den virtuellen Kanal kennt. Um alle auf zu zählen würde der der Platz nicht reichen, bemerkenswert fand ich Alex (@pixxelrunner) und Christine (@wwwsielaeuftde) aus Hamburg getroffen zu haben. Ebenso bemerkenswert was das Erscheinen von Carsten (@twitt3rless), der nur zum “groupen” aus München angereist ist. Anschließend gab es noch in anderer Zusammensetzung eine After-Pasta-Party bei einer Pizza-Kette in der Frankfurter Innenstadt, die nicht minder aufschlußreich war.

Die Anspannung vor dem Start steigt

Vor dem Start am Sonntag haben wir uns noch einen Treffpunkt in der Nähe der U-Bahn-Station vereinbart. Es kamen dann doch noch einige Twitterati auf ein kurzes “Hallo” vorbei, die zum Treffen in der Festhalle nicht konnten. Ich hatte mich mit @MagicMike2311 verabredet, der für seine Staffel ebenfalls den Start übernommen hatte. Aber wie das so ist, bei der Nervosität vor dem Start. Schnell nochmal das Dixi-Klo aufgesucht und der Sportskamerad ist aus den Augen verloren. Ich hatte den gesamten Oktober, ausgehend von meinem Start in Bregenz mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen, die sich an diesem Tag zwar gebessert hatten, aber noch nicht ganz vorüber waren. Ich hatte, auch auf Grund einer zehntägigen Trainingspause, noch nicht das Zutrauen, ob die 12km-Strecke in einer gute Zeit zu absolvieren ist. Ich hatte mir eine Pace von 5:30 min/km vorgenommen, was auf eine Endzeit von 1:06 hinaus lief.

In der Startaufstellung

@MagicMike2311 habe ich dann, dank eines kurzen Telefonanrufs, doch noch in der Startaufstellung gefunden. Michael hatte leichte Probleme mit der Wade und sich vorsorglich mit Kinesiotape “verarzten” lassen. Seine Vorgabe war “nur nicht zu schnell anfangen” und hintenraus sehen was geht. Um 10:30 sind wir beide dann auf die Strecke. Mit einer Anfangspace von ca. 5:15 waren wir gut dabei. Auf Kilometer 2 und 3 hatten wir zwischenzeitlich auch eine Pace leicht unter 5:00. Danach machte sich bei mir allerdings das fehlende Training bemerkbar und mir wurde die Luft etwas knapp. Kurz vor der Verpflegung bei Kilometer 5 auf der Bockenheimer Landstraße verabschiedete sich @MagicMike2311, der ein erheblich schnelleres Tempo gehen konnte als ich. Ich habe mich pacemäßig so zwischen 5:20 und 5:25 eingependelt. Auf der Strecke habe ich dann bei Kilometer 8 Jörg (Ultrayogi) aus Oberhausen überholt, der in Frankfurt seinen 110. Marathon absolviert hat. Leider ist es im Ziel nicht zu dem verabredeten Bier gekommen, da wir uns da in der Menge verloren haben.

Nach 1:05:30, also etwas schneller als gedacht habe ich den Staffelstab (in Frankfurt in Form des Zeitnahmechips) an @Sancho_P übergeben. Auf der Rückfahrt zu Start und Ziel habe ich dann wieder @MagicMike2311 in der U-Bahn-Station aufgelesen. Wir sind beide kurz bevor der Führende auf die Zielgerade eingebogen ist an der Messe angekommen. Zu der Zeit habe ich noch nicht ahnen können, das er nur 3 Sekunden nach dem Weltrekort über die Ziellinie läuft. Ich habe noch gewartet bis mit Jan Fitschen der erste Deutsche vorbei läuft, bevor ich mir für den Zieleinlauf der Damen einen Platz in der Festhalle suchen konnte.

Ich habe alle Daumen gedrückt, damit Mocki doch noch ihre PB knackt. Leider hat es nicht gereich, aber sie hat mit einer 2:28 die Qualifikation für London geschafft. Anschließen habe ich auf den Zieleinlauf der anderen #twitterlauftreffler gewartet und es waren einige hervorragende Ergebnisse dabei. Mein “Hamburg-Hase” Heiko (@bartlog) hat mit 3:06 seine Erwartungen übertroffen.

#twitterlauftreff-Staffel (v.l. @HipHop_Runs, @Sancho_P, Marianne; @Jola_rennt)

Etwa um diese Zielzeit kam auch @Sancho_P auf die Tribüne in der Festhalle. Gespann schauten wir, außer auf den roten Teppich für den Zieleinlauf, auch auf unsere Smartphones, um eine Nachricht von @Jola_rennt zu erhalten. Wir hatten uns so verabredet, dass wir uns am Platz der Republik treffen, um die letzen ca. 700 m gemeinsam ins Ziel zu laufen. Gegen 14:00 haben @Sancho_P und ich uns dann aufgemacht und @Jola_rennt zu treffen. Nachdem so jeder seine Streckenstory erzählt hat, kam auch Marianne vorbei und wir sind gemeinsam ins Ziel gelaufen. Die Zeit von 4:09:38 ist eigentlich unerheblich, allen beteiligten hat es Spaß gemacht und es war ein einmaliges Erlebnis.

Leider konnten wir die anderen Marathonis nicht mehr treffen, da wir den Treffpunkt irgendwie verpeilt hatten. Wir sind dann unter zu Hilfenahme von einigen Bratwürsten an den Hauptbahnhof gelaufen, wo sich unsere Wege trennten und  wir wieder den Kontakt mit der Online-Welt aufnahmen.

Hamburg Marathon 2011


See the activity on RunSaturday

Type: Run – General
Duration: 4:04:40
Distance: 42.54 km

Es ist der 22.Mai 2011 um 8:30 und ich stehe bei strahlendem Sonnenschein in der Startaufstellung für den Hamburg Marathon. Hätte mir das vor fünf Jahren jemand das gesagt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Besonders, wenn er hinzugefügt hätte, dass ich knapp fünf Stunden später und nach 42km Wegstrecke im Ziel bin. Denn zu dieser Zeit hatte ich noch das Motto: “No Sports!” – wie sich Zeiten und Einstellungen ändern können.

vor dem Start

Doch nun der Reihe nach. Ich stehe im Startblock I und halte gespannt Ausschau nach Heiko (@bartlog) vom #twitterlauftreff. Er hatte sich Tags zuvor angeboten mich beimeinem Marathon-Debut zu begleiten. Leider hatten wir nicht den gleichen Startblock, so dass die Absprache war, wenn wir uns am Start nicht sehen sollten, ich ihn am rechte Streckerand laufend einholen könne.

Meine Nervosität war dann doch so groß, dass ich noch etwas in die Dixi-Klos bringen musste, bevor der Startschuß fiel (in Hamburg traditionell kein Schuß, sondern das Läuten einer Schiffsglocke). Die Sonnenstrahlen auf der Schulter waren schon fast unangenehm, so warm war es zu dieser Zeit. Als dann endlich mein Startblock auf die Reise geschickt wurde, habe ich mich zunächst von der Euphorie tragen lassen und bin zu schnell angegangen. Der Blick auf meine Garmin-Uhr nach den ersten 500m, zeigte eine Pace von 5:05 min/km. Das war eindeutig über meiner angepeilten Pace von 5:51 min/km. Ich hatte mir ausgerechnet (bzw. rechnen lassen), dass ich mit dieser Pace und einer langsamen Steigerung im zweiten Teil auf einer Endzeit von 4:05 landen würde.

Auf dem Weg zur Startlinie (Reeperbahn)

Ich musste mich dann langsam wieder einfangen, um auf die geplante Pace zurück zu kommen. Das abbremsen wurde dadurch “erleichtert”, dass ich kurzzeitig an der rechten Schienbeinaußenseite verkrampfte. Das ist mir in den vergangenen 900 Trainingskilometern nicht einmal passiert und jetzt das! Nach 2km bin ich dann zu Heiko aufgeschlossen, den fröhlich mit seinem Handy die Stimmung an der Strecke einfing. Ich hatte ebenfalls eine Kamera mit, um einen ersten Marathon zu dokumentieren. In den folgenden ca. 10 km ließ sich Heiko öfters zurückfallen oder lief einige Meter nach vorne, um an der Strecke zu fotografieren. Das imponierte mir als Neuling schon sehr, da ich von meinen Halbmarathonstarts wußte, wie anstrengend es ist, immer abzubremsen und neu Fahrt aufzunehemen.

auf der Elbchaussee

Nach der ersten Wasserstelle bei km 5 war dann auch die Verkrampfung im rechten Schienbein gelockert und ich konnte ein konstantes Tempo angehen. Die Strecke auf der Elbchaussee ist auch besonders angenehm, weil durch die hohen Bäume sowohl schattig, als auch windgeschützt ist. Kurz von km 10 erreicht das Läuferfeld den Fischmarkt. Von hier bis zu den Landungsbrücken ist eine super Stimmung, die Zuschauer stehen in mehreren Reihen an der Strecke. Meine 10km Zwischenzeit lag mit 0:58:11 im Bereich meiner Vorgaben.

Der König von St. Pauli

Kurz vor dem Wallingtunnel in der Nähe des Hauptbahnhofs haben dann Heiko und ich den Zeitläufer für 4:15 überholt, allerdings hatte dieser schon seinen Luftballon verloren, so dass nur an dem Aufdruck auf seinen Kompressionsstrümpfen zu erkennen war, welche Zeit er läuft. Den folgenden Streckenabschnitt zwischen Jungfernstieg und Schöne Aussicht fand ich besonders angenehm. Die Strecke war breit genug und nicht allzu kurvig, man konnte es gut “rollen” lassen.

Sektfrühstück bei Hamburg Marathon (Schöne Aussicht)

Besonders cool sind die Zuschauer hier im Bereich dieses Nobelviertels an der Außenalster, stilvoll betrachtet man das Laufspektakel beim Sektfrühstück am Streckenrand. Auf den nächsten 3 km bis zur Halbmarathondistanz wurde die Hitze doch unangenehm, obwohl ich sie jetzt besser wegstecken konnte als vor 6 Wochen beim Prag Halbmarathon. Meine Halbmarathonzeit lag bei 2:00:30 und somit ca. 2 1/2 Minuten schneller als veranschlagt.

grelle Farben

Ab km 22 geht es am Stadtpark vorbei und an der U-Bahn Station “Saarlandstrasse” ging richtig die Post ab. Trotz des Pushes durch die Zuschauer merkte ich allerdings, dass ich so langsam an einen “toten Punkt” komme. Ideale Gelegenheit einen meiner Gelpacks zu knacken. Ein, zwei Kilometer später war der Hänger auch überwunden und ich konnte mein bisheriges Tempo wieder aufnehmen. Was auch dringend notwendig war, denn ca. ab km 25 verläuft die Streck durch ein etwas ödes Büroviertel. Der Zuschauerzuspruch hier ist erheblich geringer und das Laufen auf den schattenfreien Strassen bei Temperaturen von mittlerweile ca. 26° C wurde langsam anstrengend.

Da traf es sich gut, dass der Streckenverlauf ab km 28 in der Nähe der Alster durch eine parkähnliche Gegend führt, in der die hohen Bäume reichlich Schatten spendeten. Und dann am nördlichsten Punkt der Strecke folgt der absolute Hammer! An der U-Bahn-Station “Ohlsdorf” standen die Zuschauer dicht gedrängt an der Strecke und das Dröhnen der Sambatrommeln riß einen förmlich mit: Ein “geiles Erlebnis”!

geile Stimmung (Am Hasenberge/Ohlsdorf)

So schnell die Euphorie gekommen war, so schnell war sie auch wieder weg, denn ich befürchtete die Begegnung des “Manns mit dem Hammer” je näher ich km 35 kam. Also noch schnell das zweite Gelpack eingeworfen, um die Begegnug noch etwas hinauszuzögern. Die Strecke wurde wieder etwas eintöniger, wenn auch etwas abschüssiger. Heiko, der mich die ganze Zeit begleitete, hatte allerdings seit ca. 10km seine Fotosession abgebrochen, da sein Handy einen Wasserschaden hatte. Eine seiner Andeutungen habe ich dann so verstanden, dass ihm der Lauf mittlerweile auch keinen Spaß mehr macht und er sich erheblich quälen musste.

Im Streckenabschnitt zwischen “Eppendorfer Baum” und “Klosterstern” war wieder absolutes Gänsehautfeeling angesagt. Trotz langsam weicher werdender Beine, wird man durch die zahlreichen Zuschauer und die tolle Musik von NDR 90,3 nach vorne getrieben. Das ist auch bitter nötig, denn der kleine Anstieg nach der Wasserstelle und der Einmüdung zur Rothenbaumchaussee ist nach 37,5 km in den Beinen doch schon einigermaßen hart. An dieser Stelle habe ich dann auch irgendwie Heiko verloren.

Im Ziel (Glacischausee)

In gespannter Erwartung, irgendwo am Rande der Strecke @VictoriaHamburg zu sehen, die ich tags zuvor kennengelernt habe, lief ich die Rothebaumchaussee hinunter. Ich könnte sie leider nicht am Streckenrand ausmachen, was mir in diesem Moment dann auch wieder ziemlich zweitrangig war, da mein Magen anfing zu rebellieren. Auf den folgenden 1,5 km musste ich mich eher darauf konzentrieren mich nicht zu übergeben als Zuschauer am Streckenrand zu identifizieren. Mit einer kurzen Gepause genau vor meinem Hotel bei km 40,5 ging dann auch die Übelkeit soweit weg, dass ich die verbleibenden 1,7 km gut hinter mich gebracht habe. Nach 4:04:39 habe ich dann glücklich und erschöpft den Zielstrich in der Glacischaussee überquert. Das war ein so tolles Erlebnis, dass es bestimmt nicht mein letzer Marathon gewesen sein wird.

noch 195 Meter zum Ziel

Bilder Galerie “Hamburg Marathon 2011″


See the activity on RunSaturday

Type: Run – General
Duration: 3:31:25
Distance: 31.09 km

Die letzte Woche vor dem Marathon wollte ich ruhig angehen lassen und habe mir vorsorglich Urlaub genommen. Aber um zu Hause die Beine hoch zu legen, bin ich doch etwas zu aktiv und ich entschied mich dazu die Zeit mit einem Besuch des Ruhrgebiets zu nutzen. Ich habe eine kleine Affinität für die Gegend und war bereits im letzten Jahr zur Ruhr2010 – Kulturhauptstadt Europa in Essen. Zu dieser Zeit habe ich Gerd (@BRGerd) von den Borbecker Raketen kennengelernt. Ich habe ja hier im Blog die Suche nach einer Begleitung für einen langen Lauf gestartet. Gerd hat sich kurze Zeit später gemeldet und mir angeboten, an einem “Longjog” mit Start an der Zeche Zollverein teilzunehmen.

Ruhrmuseum Zeche Zollverein

Treffpunkt war der orange Aufzug zum Ruhrmuseum an der Zeche Zollverein. Die Strecke führt zunächst in östliche Richtung zum Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf vorbei an der Halde Rheinelbe, einem der Aussichtspunkte der Route der Industriekultur. Am Fuße der Halde befindet sich der Skulpturenwald der Küstlers Herman Prigann, den wird ebenfalls passieren.

Skulpturenwald an der Halde Rheinelbe

In gemütlichem Lauftempo von 6:30 bis 6:40 min/km erreichen meine Begleiter und ich die “wilden Tiere”. Es geht vor bei an der Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen, bevor wir am Ufer des Rhein-Herne-Kanals wieder in westliche Richtung einschwenken. Bis hierher haben wir die Hälfte der Strecke absoviert.

Brücke über den Rhein-Herne-Kanal

In der Ferne zeichtet sich jetzt das weithin sichtbare Gebäude der Zeche Nordstern ab. Die Zeche Nordstern und das umliegende Gelände wurde nach der Stillegung des Bergbaus in einen Landschaftspark umgewandelt, in dem 1997 die Bundesgartenschau stattfand. Das Zechengebäude wurde im letzten Jahr durch einen Glaskubus aufgestockt und mit einer blauhaarigen Herkules-Figur “gekrönt”.

Zeche Nordstern mit Herkules

Zurück ging es über sehr gut ausgebaute Radwege Richtung Kathernberg und einem kleinen Abstecher zur Kokerei Zollverein, zu unserem Ausgangspunkt vor dem Ruhrmuseum. Hier bestand dann auch die Gelegenheit sich am Imbiss-Stand stärken. Ich habe da die Apfelschorle bevorzugt, Gerd brauchte eine Portion Pommes.

An dieser Stelle wollte ich mich noch einmal bei Gerd und den anderen Borbecker Raketen für die angenehme Begleitung in den 3 1/2 Stunden bedanken. Außerdem wünsche ich Ulrike viel Erfolg beim Stockholm Marathon und dem Sportskameraden im blauen Shirt, dessen Name ich vergessen habe (Gerd hilf mir mal), alles Gute bei seinem Marathon-Debut in Duisburg beim Rhein-Ruhr-Marathon.  Ich hab’ leider auch vergessen für welchen Lauf sich Tobias vorbereitet hat, aber nochmal Danke für’s Mitnehmen an den Bahnhof. Wer Gerd im RL erleben will, läuft eben falls beim Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg mit und folgt ihm als Zeitläufer für 4:45 (glaube ich?)!

Zurück mit den Borbecker Raketen an der Zeche Zollverein

Die Winterlaufserie in Lorsbach bietet auf gemütiliche Art und Weise die Gelegenheit einen längeren Trainingslauf in bergigem Gelände zu absolvieren. Zum 6. Lauf der Serie 2010/2011 hat es sich ergeben, dass ich mich mit den Twitterfreunden @bartolg und @sancho_p zum gemeinsamen Lauf verabredet habe. Bei ersten Zusammentreffen auf dem P&R-Parkplatz am Bahnhof in Lorsbach fragete @sancho_p noch ganz schüchtern, ob es hier den Berg hinauf geht, was ich energisch bejahen durfte.

So ging es bei ca. 0°C und einem eisigen Wind auf die ca. 19 km der Nassauischen Schweiz. Die ersten Steigungen konnte ich mit meinen beiden “Mitläufern” noch einigermaßen mithalten, aber bei der steilsten Stelle der sog. “Himmelsleiter” nach 9km musste ich doch mit einigen Gehpausen etwas abreißen lassen.

Wie es sich für einen Lauftreff gehört, haben die Schnelleren nach entsprechendem Vorsprung entsprechend gewartet. Da es bei der Winterlaufserie in Lorsbach nicht um sportliche Meriten, sondern um das gemeinsame Training in der schönen Natur geht, gibt es für die Winterlaufserie auch keine Urkunden für gezeitete Erfolge, sondern einen Pokal für das erreichen der 100km Marke während der 6 Läufe der Winterlaufserie. Außerdem gelten noch zu dieser Wertung der ARQUE-Lauf von Kelkheim nach Mainz, der Spirodon Silvesterlauf in Frankfurt und der Nikolauslauf in Kelkheim-Hornau.


See the activity on RunSaturday

Type: Run – General
Duration: 2:10:52
Distance: 18.85 km

Zeit für ein wenig Erholung bietet sich bei der Winterlaufserie in Lorsbach auch immer am Teestand nach 6,5 km und 14,7km. Nach der zweiten Stärkung am Teestand geht es dann auch nur noch bergab bis zur Sporthalle des TV Lorsbach, wo eine heiße Dusche und eine warme Erbsensuppe oder wahlweise ein Stück Kuchen mit heißem Kaffee warten.  Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, aber mit dem Ende des letzten Laufes der Winterlaufserie erkläre ich den Winter für beendet.